Warum ist trotz der Gebühren der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht werbefrei?

von Hermann Eicher am 18.11.2010, 10 Kommentare

Die Werbung ist eingebaut in die Gesamtfinanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Wenn wir auf Werbung verzichteten, müsste die Rundfunkgebühr etwa 1,40 EUR höher sein. Das alles wird von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) geprüft.
Es gibt jetzt politische Initiativen, die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk die Werbung nehmen wollen. Dann muss aber das fehlende Geld irgendwo herkommen. Wir haben eine Gesamtfinanzierung, mit der wir dann rechnen dürfen.
Das mit der Werbung ist aber nicht so schlimm. Wir haben keine Werbung an Sonn- und Feiertagen. Wir haben keine Werbung nach 20 Uhr. Ich finde den Anteil, der etwa 7 Prozent der Gesamtfinanzierung ausmacht, nicht so drastisch. Es stellt sich schlicht die Frage, ob man eine Rundfunkgebühr haben möchte, die etwa 1,40 EUR höher ist.
Im Zusammenhang mit dem neuen Gebührenmodell haben wir von dem ehemaligen Verfassungsrichter Kirchhoff ein Gutachten machen lassen. Kirchhoff sagt, die Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks würde gestärkt, wenn wir als Alleinstellungsmerkmal ein Programm hätten, das nicht durch Werbung unterbrochen ist. Das lässt sich sehr gut hören, hat aber finanzielle Konsequenzen.
Ich kann aber verstehen, dass man gerade in der Sportschau von Werbung genervt ist, wenn man auf einen Beitrag wartet. Und es gibt Leute, die sagen, es stünde dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gut zu Gesicht, wenn er auf Werbung ganz verzichtete. Schauen wir mal, wie es kommt.

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Beantwortet von Hermann Eicher am 18.11.2010 in Medien, Stichworte: , , , , .

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Kommentare zu „Warum ist trotz der Gebühren der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht werbefrei?“

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Patrick S. schreibt am 18.11.2010

Anstatt die Gebühren zu erhöhen bei einem Werbeverbot könnten die ÖFR auch mal Geld einsparen. In den letzten Jahrzehnten musste fast jede Institution Geld einsparen nur unsere ÖFR haben nicht gespart sondern einfach immer mehr Geld ausgegeben.

Patrick S. schreibt am 18.11.2010

Der Werbeverzicht ist dringend nötig. Die ÖFR legitimieren sich ja durch ihre Unabhängigkeit auch von der Wirtschaft. Nur wenn man Werbung macht ist man nicht unabhängig. Ein bisschen unabhängig gibt es nicht.

Manfred Stöckle schreibt am 26.11.2010

Der ÖFR schwimmt in Geld. Die wissen doch gar nicht mehr wie sie es ausgeben können. Künftig kommt dann noch ein dicker Batzen dazu.
Und dann mutet man dem Hörer zu sich bis zu neun Werbeblocks am frühen Morgen vor den Regionalnachrichten (Bodenseeradio) anhören zu müssen. Ich bin überzeugt, dass man mit einem Zehntel der Einnahmen ein vernünftiges Programm machen könnte. Öffentlich rechtliche Anstalt zu sein ist eine Lizenz zum Gelddrucken.

Hermann Eicher schreibt am 06.12.2010

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk darf nur an Werktagen und nur zeitlich begrenzt vor 20.00 Uhr werben. Durch diese zeitlich sehr limitierten Möglichkeiten gerät aus unserer Sicht die Unabhängigkeit nicht in Gefahr. Sogar das Bundesverfassungsgericht hat diese Form der Mischfinanzierung nicht beanstandet. Natürlich kann man aber dennoch darüber diskutieren, aus Gründen einer stärkeren Unterscheidbarkeit zwischen öffentlich-rechtlichem Rundfunk und kommerziellen Angeboten ganz auf Werbung zu verzichten. Würde die Werbung entfallen, müsste die Rundfunkgebühr dann allerdings um 1,42 Euro höher ausfallen als heute.

Patrick S. schreibt am 06.12.2010

Natürlich wird wegen der Werbung das Programm gemacht. Man muß sich nur das Programm ansehen in den Zeiten wo Werbung erlaubt ist und wo nicht. Wenn das Programm keine Quote bringt dann wird es abgesetzt das hat nichts mit einem Grundversorgungsauftrag zu tun.

Ein bisschen Unabhängig gibt es eben nicht!

Statt die Gebühren bei einem Werbeverzicht zu erhöhen könnten die ÖFR auch einfach nur mal Geld EINSPAREN.

Hermann Eicher schreibt am 06.12.2010

Und zu der Aussage, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten würden nicht sparen, sondern nur ausgeben, ist zu sagen:
Das trifft absolut nicht zu: Alle Landesrundfunkanstalten, das ZDF und das Deutschlandradio haben bereits große Einsparpakete realisiert und sparen weiter. So muss bis 2012 ein Rückgang der Erträge von ca. 300 Millionen Euro durch Einsparungen ausgeglichen werden. Ständig werden die Rundfunkanstalten auch von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs zu Einsparungen angehalten (nachzulesen in den Berichten der KEF unter http://www.kef-online.de).

Patrick S. schreibt am 06.12.2010

Wenn man sich die Ausgaben der ÖFR ansieht dann haben sie seit ihrem bestehen immer mehr Geld ausgegeben! Die ÖFR geben heute sehr viel mehr aus als Im Jahre 2000 und geben sehr viel mehr aus als im Jahre 1990…
Da die Gebühren nur alle vier Jahre neu berechnet werden sind die Einnahmen der ÖFR am Anfang der vier Jahre immer höher und am Ende niedriger. Deshalb wird ja auch 2013 die neue Gebührenreform eingeführt damit die ÖFR wieder gleichviel Geld bekommen. Solange zerren die ÖFR von den Rücklagen die sie am Anfang der Gebührenperiode gesammelt haben.
Was für große Einsparungen haben die ÖFR denn jemals durchgeführt? Die ÖFR geben jährlich über 8 Milliarden Euro aus. Wenn die ÖFR nur 10% einsparen würden wären das schon 800 Millionen Euro. (Jährlich!) So was ist noch nie vorgekommen!
Wenn die ÖFR von Einsparungen reden dann geht es entweder um Promille Bereiche oder um Umschichtungen der Gelder in ihrem Haushalt.
Die BBC hat in der Vergangenheit wirkliche Einsparungen vorgenommen im Gegensatz zu unseren ÖFR.
Unterm Strich geben unsere ÖFR seit ihrem bestehen immer mehr Geld aus!

Hermann Eicher schreibt am 07.12.2010

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk erhält vom Gesetzgeber einen Auftrag und der muss finanziert werden. Und nur zum Vergleich: Die Rundfunkgebühr ist in den letzten 10 Jahren um 11,3 Prozent gestiegen, im gleichen Zeitraum die Bild-Zeitung um 68 %, die FAZ um 56 % oder der Fokus um 52 % !

Patrick S. schreibt am 07.12.2010

DER Auftrag lautet eine GRUNDVERSORGUNG zu bieten. Ob alles was die ÖFR heute machen noch unter Grundversorgung läuft das bezweifele ich stark.
Die Rundfunkgebühren sind seit ihrem bestehen immer weiter gewachsen. Die Rundfunkgebühren sind auch viel mehr gesteigen als sie Steuereinnahmen und sehr, sehr viel mehr als die Inflation. siehe:

“ * Die Rundfunkgebühren, also die Einnahmen für die Sender aus den rund 40 Millionen Rundfunkgeräten, die 1975 knapp 1,2 Mrd. € betrugen, sind im Jahr 2006 auf 7,2 Mrd. € angestiegen. Sie haben sich damit mehr als ver-6-facht

* Die Steuereinnahmen des Staats auf allen Ebenen sind im selben Zeitraum um das 4-fache angewachsen

* die Arbeitnehmerentgelte, eine Art von Durchschnittseinkommen, haben sich von 13.400 € (1975) auf 33.100 im Jahr 2006 erhöht: um das 2,5-fache

* Die Verbraucherpreise (Inflationsrate) sind in diesem über 30jährigen Zeitraum auf das Doppelte, also um den Faktor 2 angestiegen.“

http://www.anstageslicht.de/index.php?UP_ID=1&NAVZU_ID=14&STORY_ID=64&M_STORY_ID=446

Besonders schön ist die Grafik der Gebührenentwicklung.

Patrick S. schreibt am 24.12.2011

Bei der Sendung Heute Plus wurde gesagt dass die Sendezeit der Nachrichtensendung Heute davon abhängt wie viel Werbung geschaltet wird. Wird viel Werbung geschaltet dann verkürzt sich die Zeit der Nachrichten.
Wenn das keine Abhängigkeit von Werbung ist!

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