Warum ist es im Juli und August am heißesten, obwohl die Sonne am 21. Juni am höchsten steht?

von Gabor Paal am 16.08.2016, 1 Kommentar

Weil sich im Juni noch nicht so viel Wärme „aufgestaut“ hat. Die Hitzewelle kommt, gemessen am Sonnenstand, erst mit einer gewissen Zeitverzögerung. Die Temperatur hängt ja nicht nur davon ab, wie viel Energie die Sonne im jeweiligen Moment auf die Erde strahlt; vielmehr heizen sich Erde und Atmosphäre im Lauf der Sommermonate auf. Im Mai und Juni liefert die Sonne bereits einiges an Wärme und kann vor allem das Meer erwärmen.
Unser Klima hier in Europa ist ja stark geprägt von den Westwinden, die vom Atlantik herkommen. Bis zum Juni hatten diese Wassermassen noch nicht so viel Gelegenheit, sich richtig aufzuheizen, deshalb ist es im Juni bei uns zwar schon warm, aber noch nicht so heiß wie im Juli. Im Mai und Juni, wenn die Sonne relativ steil über uns steht, heizt sich das Wasser jeden Tag weiter auf. Im Juli und August wiederum steht die Sonne nicht mehr ganz so steil wie am 21. Juni, der Einstrahlwinkel und die Länge der Tage sind eher wie im Mai – aber im Juli und August sind die Luftmassen noch zusätzlich aufgeheizt durch die Wärme, die vor allem in den Meeren gespeichert ist und die das Meer an die Luft gibt. Und dadurch erreichen die Temperaturen erst im Juli/August ihr Maximum. Denn dann ist die Summe aus aktueller Einstrahlung und gespeicherter Wärme am größten.

Die mittleren Höchst-Temperaturen in Deutschland

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Ist das auch der Grund, weshalb tagsüber die heißesten Stunden erst am Nachmittag kommen und nicht schon mittags?

Ja, das ist das gleiche Prinzip: Am wärmsten ist es bei uns, gerade im Sommer, nachmittags zwischen 14 und 16 Uhr, denn die Sonne hat ja die Atmosphäre und die Erdoberfläche über den ganzen Vormittag hinweg aufgeheizt. Bis zum Nachmittag kommt immer mehr Strahlungsenergie dazu, und erst am späten Nachmittag, wenn die Sonne immer flacher steht, also immer weniger Strahlkraft hat, dann kommt die Erde auch wieder langsam dazu, abzukühlen. Das ist also der gleiche Effekt, nur dass beim jahreszeitlichen Hitzemaximum im Juli und August vor allem das Meer eine wichtige Rolle spielt, während dieser Tagesrhythmus mit der Hitze am Nachmittag mit dem Meer nicht so viel zu tun hat. Da geht es mehr um die unmittelbare Wärmespeicherung im Boden und in den bodennahen Luftschichten.

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Kommentare zu „Warum ist es im Juli und August am heißesten, obwohl die Sonne am 21. Juni am höchsten steht?“

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Michael schreibt am 11.05.2017

Hallo!

Das ist eine Frage die ich mir schon lange gestellt habe, aber ich finde sie nicht befriedigend beantwortet.
Die Erwärmung des Meeres ist ja auch am stärksten im July und August und wenn die Sonne ab 22.6. wieder abnimmt müsste sie ja im Spätjuli gerade mal die Kraft vom Mai haben. Im Mai erwärmt sich das Meer aber nur langsam.

trotzdem gut das diese Frage mal aufgegriffen wurde!

beste Grüsse
Michael

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