Eine gute Frage, die ziemlich schwer zu beantworten ist. Ich möchte mal Indizien nennen, die eher dagegen sprechen. Fast alle Schachgroßmeister sind auch Männer. Von tausend sind, glaube ich, sechs oder neun Meisterinnen. Jetzt hat man lange gesagt: Na ja, das ist eben eine männliche Sache. Es geht um räumliches Vorstellungsvermögen, da sind auch die Männer besser, und, und, und … Wir kennen da die Theorien. Wenn man das aber mal genau untersucht, und das hat man gemacht. Eine Viertelmillion Schachturniere gemessen, gekuckt, Frauen, Männer, wie schneiden sie ab usw. Da stellt sich heraus, dass dort, wo Frauen von Anfang an genauso gut im Schach gefördert werden wie Männer, und es gibt bestimmte Orte, Berkeley, nahe San Francisco z. B. – es gibt die Polgár-Schwestern in Ungarn – genau – da sind die Leute genauso gut, d. h., es ist mindestens ein ganz großer selektions- und geschlechtsspezifischer Förderungseffekt am Werk und möglicherweise gar keine natürlich Begabung. Also da muss man sehr vorsichtig sein.
Und bei Musik ist das ähnlich. Da ist es nicht so ganz klar ob hier die oberste Spitze eben nur bei den Männern so ist. Das mag sein, weil die Bandbreite, egal welche Variable Sie messen, bei den Männern oft größer ist als bei den Frauen. Das heißt, Sie haben mehr hochbegabte Männer, Sie haben auch mehr ganz dumme Männer, salopp gesprochen. Und bei den Frauen ist diese Verteilung enger, d. h., da sind weniger ganz hoch Begabte aber auch weniger ganz Unbegabte dabei.
Aber ist das nicht auch sogar ein historisches Phänomen. Also klar, Bach, Mozart, Beethoven waren alles Männer. Aber heute haben wir doch in der Popszene auch genügend Frauen.
Natürlich. Das ist auch schwer zu vergleichen. Ich denke, Indizien sprechen ein bisschen dafür, aber wir müssten letztlich gute Untersuchungen machen, um das noch genauer rauszufinden. Ob also wirklich Musikalität geschlechtsspezifisch ist und mit hoher Zusammenhang eine Begabung existiert … letztlich muss man sagen: Wir wissen es nicht. Ich glaube es persönlich nicht.


























































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Kommentare zu „Fast alle Komponisten waren Männer. Hat das mit dem Gehirn zu tun?“
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