Kann man eine nicht vorhandene Begabung durch Üben ausgleichen?

von Manfred Spitzer am 06.11.2008, Kommentar hinzufügen

Man kann sehr viel ausgleichen und ganz wichtig ist z. B. die Einstellung dazu. Ein ganz schönes Beispiel zur Mathematik: Wenn man deutsche Schüler fragt: „Wer ist gut in Mathematik?“, dann sagen die: „Na ja, wer begabt ist.“ Wenn man Südkoreaner fragt: „Wer ist gut in Mathematik?“, dann sagen die: „Wer viel lernt.“ Also lernen die Koreaner ganz viel Mathematik, weil die sagen: „Wenn ich viel lerne, dann bin ich auch gut.“ Ergo: Die sind auch gut! Weil die alle nicht gleich die Flinte ins Korn werfen wenn sie mal schlecht in Mathematik sind und dann sagen: „Ich bin halt unbegabt“.

Das ist ja immer das Schreckliche, das passiert. Es geht einmal schief – „Ach, ich bin halt unbegabt, da lass ich das bleiben.“ Nein! Wenn man sich richtig Mühe gibt, weil man der Auffassung ist: „Wenn ich mir Mühe gebe, kann ich das auch ändern!“ – da sind wir wieder bei der Selbstwirksamkeit. Wenn man eben lernt: „Ja, ich kann’s, wenn ich mir nur Mühe gebe!“, dann gebe ich mir Mühe und dann kann ich es auch. Deswegen ist es so wichtig, sich nie auf den Begabungen auszuruhen, sondern zu sagen: „Ich kann’s, ich mach das!“ und das eben dann auch zu machen.

Und wie viel Übung braucht die Begabung?

Die Begabung braucht natürlich weniger Übung als die Nichtbegabung. Aber Begabungen stellen sich oft von alleine heraus. Nehmen Sie doch die bekanntesten Genies Bach oder Mozart. Die sind ja nicht nur, was oft übersehen wird, deswegen so gut geworden, weil sie musikalisch begabt waren. Das waren sie mit Sicherheit auch, aber die hatten auch die beste Förderung, die man sich denken kann. Die wurden von Kleinstkindalter auf musikalisch maximal gefördert. Deswegen sind sie auch so gut geworden. Das kann man heute ziemlich klar sagen. Das ist die bekannte Mischung aus Inspiration und Transpiration.

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