Kann man besondere Begabungen am Gehirn erkennen?

von Manfred Spitzer am 06.11.2008, Kommentar hinzufügen

Die Frage kommt immer auf, wenn es um Gehirnforschung geht und man muss ganz klar sagen: Das kann man noch nicht. Das hat einen methodischen Grund. Bis vor wenigen Jahren haben wir immer nur Gruppen untersuchen können, um z. B. zu sagen: Die Sprache aktiviert einen Bereich links frontal oder das Sehen aktiviert einen Bereich in der Mitte hinten oder entsprechende Dinge. Sie kennen alle diese Bilder von grauen Gehirnen mit bunten Flecken darauf. Das ist immer Ausdruck von Gruppenstatistik, also dem Vergleich vieler Menschen miteinander unter einer Bedingung, meinetwegen Sprechen versus Nichtsprechen. Und dann sieht man beim Sprechen die entsprechenden Areale aktiv werden und diese Aktivität zeigt einem der Computer bunt an.

Bis vor wenigen Jahren konnten wir das nicht bei einzelnen Menschen machen, weswegen wir auch nicht Einzelne im Hinblick auf ihre Begabung miteinander vergleichen konnten. Das hat sich erst vor drei bis fünf Jahren geändert. Und nun gibt es erste Studien, die bei dem Paradebeispiel von Begabungen, nämlich Intelligenz, anfangen zu kucken: Was ist denn das, das den einen intelligenter macht als den anderen? Und da kommt bislang nicht so sehr viel Spannendes heraus. Intelligenz sitzt natürlich irgendwo im Stirnhirn und das hat man auch schon gefunden.

Aber grade weil Sie fragen: sprachliche Begabung oder mathematische Begabung – da hat man noch nicht so sehr viel gefunden. Man hat Vermutungen, aber bislang hat man noch keine klaren Erkenntnisse und vor allem nicht in der Weise, wie man es gerne hätte: Man legt jemanden in die Röhre, scannt den zehn Minuten und dann sagt man „Pass auf, bei dir macht es viel Sinn, dass du Sprachen machst“ und „Bei dir macht es viel Sinn, dass du Mathematik machst, weil du darin entsprechend die Gehirnzellen fitter hast“ oder „nicht so fit“. Das geht noch nicht. Ich weiß auch nicht, ob das so ganz wünschenswert ist, denn wir wollen ja zunächst mal Kinder in ihren Möglichkeiten generell fördern und nicht zu früh und schon gar nicht mit Gehirnscannern die Kinder aussortieren, was sie nun lernen sollten und was nicht.

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