Welche Rolle spielt Epigenetik bei Alzheimer?

von Peter Spork am 17.05.2017, Kommentar hinzufügen

Alzheimer hat auch eine epigenetische Komponente. Das ist eine der komplexen Krankheiten. Auch psychische Erkrankungen, wie psychische Störungen, Angststörungen oder  Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes haben eine genetische Komponente. Diese beeinflusst das Risiko, an dieser Krankheit zu erkranken. Aber sie ist natürlich kein Schicksal in dem Sinne, dass wenn man zwei, drei Gene oder Gen-Varianten geerbt hat, dass man dann zwingend an Alzheimer erkranken muss oder schon in frühen Jahren dement werden muss. Die Epigenetik spielt auf jeden Fall mit, sprich die Umwelteinflüsse.

Man weiß heute: Mit viel Bewegung, mit viel Bildung kann man schon in jungen Jahren dagegen anarbeiten und damit die Risiken senken. Menschen aus sehr gebildeten Familien haben ein geringeres Demenz-Risiko; Menschen, die immer sehr viel Sport gemacht haben, auch. Gemeint ist eher Ausdauersport. Man weiß nicht genau, warum das so ist. Die Theorie ist: Durch die Veränderung der Gehirndurchblutung wird das Risiko gesenkt, weil Nervenzellen dann länger am Leben bleiben.

In Tierversuchen, und da kommt die Epigenetik jetzt rein, wird es super-spannend: Es gibt schon epigenetische Medikamente, die man bisher nur bei Tieren anwenden kann, die verstellen auf einen Schlag die Regulation von 1.500 Genen in den Nervenzellen und zwar in die Richtung, dass die Nervenzellen wieder aktiver und lernfähiger werden. Mit diesen Medikamenten können tatsächlich Mäuse, Ratten, die so eine Art Alzheimer Krankheiten haben, schlagartig geheilt werden. Man kann sie leider nicht beim Menschen anwenden, weil sie zu viele Nebenwirkungen haben.

Aber das ist ein ganz klarer Hinweis darauf, dass epigenetische Veränderungen in den Nervenzellen eine ganz große Rolle bei Alzheimer spielen. Die Wissenschaft ist eben noch nicht soweit, das bis ins letzte Detail zu verstehen und anzugehen. Aber es sollte Menschen, die in einer Familie leben, in der Alzheimer gehäuft auftritt, zu einem gesunden Lebensstil motivieren, mit viel Bewegung, ausreichend Schlaf und viel Bildung in jungen Jahren schon, dass man sich bewusst mit den intellektuellen Dingen des Lebens auseinandersetzt. Davon scheint man tatsächlich zu profitieren und die Epigenetik gibt sozusagen den molekular-biologischen Unterbau dazu, dass das wirklich funktionieren kann.Alzheimer (Foto: SWR)

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Beantwortet von Peter Spork am 17.05.2017 in Biologie, Hirnforschung, Lebensstil und Gene, Medizin, Stichworte: , , , .

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