Ist im Winter weniger Sauerstoff in der Luft?

von Gabor Paal am 20.02.2009, 2 Kommentare

Ich laufe gerne in Parks oder Wäldern. Jetzt im Winter frage ich mich, wie der Sauerstoffgehalt in der Luft ist. Denn jetzt ist ja das ganze Grün weg und da frage ich mich, ob das einen Unterschied ausmacht.

Spüren Sie denn einen Unterschied?

Nö.

Das hätte mich auch gewundert. Denn tatsächlich würde man das beim Laufen nicht merken. Einen messbaren Unterschied bzw. einen, der sich auf uns auswirkt, machen diese jahreszeitlichen Schwankungen nicht aus. Aber es ist trotzdem eine interessante, wenn auch eher mathematisch-spielerische Frage. Denn Sie haben natürlich Recht: Wenn es weniger Grün gibt, dann produzieren die Pflanzen im Schnitt weniger Sauerstoff. Jetzt ist die Frage, ob sich das auswirkt.

Da gibt es mehrere Antworten. Die eine ist: Wenn man die ganze Erde betrachtet, dann muss sich das ja schon mal etwas ausgleichen, denn wenn auf der Nordhalbkugel Winter ist, ist ja auf der Südhalbkugel Sommer. Zumindest rein rechnerisch dürfte die die Erde global im Großen und Ganzen nicht mehr oder weniger Sauerstoff im Winter oder im Sommer produzieren.

Das andere ist natürlich lokal. Was passiert, wenn Sie durch den Park laufen? Gibt es da mehr Sauerstoff oder weniger? Und da spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Es ist ja auch so, dass nicht nur die Pflanzen Sauerstoff produzieren, sondern Sauerstoff wird ja auch verbraucht. Von Pflanzen, von Tieren überhaupt und von Mikroorganismen im Boden – und natürlich von Joggern ;-) . Deren Aktivität – ich meine jetzt die Tiere und die Mikroorganismen – ist im Winter aber auch reduziert. Das heißt, die Pflanzen produzieren zwar ein bisschen weniger Sauerstoff, aber es wird auch ein bisschen weniger Sauerstoff verbraucht. Das gleicht sich dann auch wieder aus.

Vor allem aber: Dieser gesamte Sauerstoffwechsel der Biosphäre ist, gemessen an dem, wie viel Sauerstoff überhaupt in der Atmosphäre ist, minimal. Wir haben 21 Prozent Sauerstoff in der Atmosphäre. Und was wir täglich davon umsetzen rein in die Pflanzen, raus aus den Pflanzen – das ist vernachlässigbar. Und letztlich sind die Schwankungen zwischen Tag und Nacht – nachts verbrauchen Pflanzen ja auch Sauerstoff – größer als die zwischen den Jahreszeiten. Aber trotzdem ist es ein schönes Rechenspiel.

Wenn Ihnen also das nächste Mal beim Laufen im Winter die Luft wegbleibt, dann können Sie es leider nicht mehr auf die Bäume schieben, die im Winter weniger Sauerstoff produzieren.

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Beantwortet von Gabor Paal am 20.02.2009 in Frag den Paal !, Stichworte: , , , , .

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Kommentare zu „Ist im Winter weniger Sauerstoff in der Luft?“

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Mario Bastler schreibt am 02.01.2012

Wenn der gesamte Sauerstoffwechsel der Biosphäre für den Sauerstoffgehalt der Luft vernachlässigbar ist, warum wird dann für den Erhalt der Regenwälder mit deren Bedeutung als “Grüne Lunge” der Welt argumentiert?

Gabor Paal schreibt am 04.01.2012

Die Hälfte der Trockenmasse eines Baums besteht aus Kohlenstoff. Werden Wälder zerstört, gelangen Millionen von Tonnen CO2 in die Atmosphäre – da geht es also nicht um Sauerstoff, sondern um CO2. Unabhängig davon gilt: Da deutlich weniger CO2 in der Luft ist als Sauerstoff, schlagen Änderungen hier stärker zu Buche. So gibt es tatsächlich auch deutliche jahreszeitliche Schwankungen von CO2 in der Luft. Ansonsten rührt das Argument der “Grünen Lunge” rührt auch daher, dass Wälder Schadstoffe aus der Luft filtern

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