Woher kommt die Redewendung “wes Brot ich ess, des Lied ich sing”?

von Rolf-Bernhard Essig am 03.02.2009, 3 Kommentare

Wenn Sie sich in die Zeit zurückversetzen, als es Minnesänger gab oder sich versetzen in den bürgerlichen Oswald von Wolkenstein – die waren so etwas wie feile Federn. Die hatten also tatsächlich selten eine feste Anstellung und mussten von Hof zu Hof ziehen. Dort hat man Lieder gesungen. Dieses Liedersingen – das waren nicht „alle meine Entchen“, sondern sehr oft handelte es sich um richtige Gesänge, die einen Herrscher, einen Grafen, einen Fürsten priesen und Geschichten von seinen Heldentaten erzählten.

Der Sänger musste den Ruhm dieses Adligen in seinen Liedern verewigen und dafür bekam er dann etwas Geld, eine Unterkunft, eine Ehrengabe, vielleicht auch einen schönen Ring oder so etwas. Und das hat sich übertragen, sodass man gesagt hat: Wes Brot ich ess – wenn ich also bei dem am Hofe bin, beim Herzog von Württemberg zum Beispiel – dann sing ich lieber nichts Schlechtes über den, sondern lieber etwas Positives. Denn würde ich den kritisieren, kriegte ich natürlich nichts zu essen.

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Beantwortet von Rolf-Bernhard Essig am 03.02.2009 in Redewendungen, Stichworte: , , , .

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Kommentare zu „Woher kommt die Redewendung “wes Brot ich ess, des Lied ich sing”?“

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Dr. Dietrich Koch-Heintzeler schreibt am 02.03.2011

Es wimmelt von “Ratgebern”
Wem kann ich vertrauen?
Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich.
Die Interessen des Ratgebers sind zu berücksichtigen, dessen Umfeld, dessen Arbeitgeber, dessen Firma, Partei, Religion, Vergangenheit, Vorlieben, Ideologie, Finanzen.
Da sollte man sich schlau machen, bevor man eine Entscheidung trifft.
Das ordnet, beruhigt und hift .

Reiner Walch schreibt am 09.12.2012

Nach meiner Kenntnis stammt das Wort aus der Reformationszeit und dem 30-jährigen Krieg, als die Fürstenhäuser in Deutschland mal dem Katholizismus anhingen, mal sich zu den Lutherischen bekannten. Die Untertanen hatten dann keine Wahl, sie mussten der Entscheidung des Landesherrn folgen und fortan entweder katholische oder protestantische Lieder in der Kirche singen und sich damit zu der einen oder anderen Glaubensrichtung bekennen.

Rainer Albrecht schreibt am 22.01.2015

Das Zitat stammt von dem Weinsberger Liedermacher Michael Beheim (1420-ca. 1480), der in vieler Herren Dienst stand und nur nach diesem Motto (über)leben konnte: „Der furst mich hett in knechtes miet, ich ass sin brot und sang sin liet.“

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