Sendung vom Mittwoch, 16.11.2011 | 20.15 Uhr | SWR Fernsehen
Joachim Kozlowski trägt Schaufel, Hacke, Metalldetektor, einen Koffer mit Bürsten, Pinseln und Werkzeug über das Feld. Sein Alltag ist der Tod - er hat einen seltsamen Beruf: Er ist Umbetter. Seine Aufgabe ist das Aufspüren, Bergen, Identifizieren und Bestatten gefallener Soldaten und Zivilisten des Zweiten Weltkrieges - Jahrzehnte nach dessen Ende.

Schädel und Knochenreste eines deutschen Soldaten, gefunden und geborgen in einem Wald im östlichen Brandenburg.
Allein zwischen Berlin und der polnischen Grenze werden bis zu 150.000 menschliche Überreste im Boden vermutet. "betrifft"-Autor Jochen Nuhn hat Joachim Kozlowski begleitet, wie er mit dem kleinen Pappkarton, einem schlichten Faltsarg, menschliche Schicksale birgt und auf Soldatenfriedhöfen erneut zur Ruhe bettet. Damit die Angehörigen einen Ort für ihre Trauer haben.
Sein Erkundungsgebiet läuft meist mitten durch die ehemaligen Frontlinien. In nur wenigen Wochen während der letzten Schlachten im April 1945 starben in dieser Region zehntausende deutsche, sowjetische und polnische Soldaten. Oft nur notdürftig bestattet.
Kriegstote gehören in diesem Landstrich Oderland zum Alltag. Beim Pflügen, beim Straßen- und Hausbau oder bei Kanalisationsarbeiten werden Gebeine entdeckt. Sofort wird der Umbetter gerufen, findet Einzel- oder Massengräber von Soldaten. Oft ist der Zeitdruck groß, es fehlt an Gerät, an Helfern, um Meter für Meter zu graben, zu sieben, um jedem Hinweis nachzugehen.
Oft melden sich auch Angehörige bei Kozlowski, die erst jetzt Hinweise auf den letzten Einsatzort ihrer toten Väter oder Großväter bekommen haben. Zusammen mit ihm machen sie sich auf die Suche nach dem vermuteten Grab. Immer ist der kleine Pappkarton dabei, ein schlichter Faltsarg, in dem der Umbetter die Knochen für eine spätere Beisetzung auf einem Soldatenfriedhof sammelt, menschliche Schicksale birgt.
Ein Film von Jochen Nuhn
Letzte Änderung am: 28.10.2011, 08.03 Uhr