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SENDETERMIN Di, 17.3.2015 | 19:30 Uhr | 3sat

Wenn Gesunde zu Patienten werden Krank durch Früherkennung

Müssen sich Patienten von der liebgewordenen Vorstellung verabschieden, dass man sich durch Früherkennung Gutes tut? "betrifft" klärt auf, welche Untersuchungen sinnvoll und welche unnötig, wenn nicht sogar potentiell schädlich sind.

Nach einer bangen Woche hält Gabi H. endlich das Ergebnis ihrer Mammographie in den Händen. Doch leider gibt es keine Entwarnung: Sie muss nochmal zur Untersuchung, um den unklaren Befund abzuklären. Ist es Krebs? Wie bei Gabi H. bricht nach einem solchen Befund eine Welt zusammen, bis zur Abklärung ist an Schlaf nicht mehr zu denken.

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Krank durch Früherkennung

Krank durch Früherkennung

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Allgemeine Gesundheits-Checkups konnten in großen Studien keinen Nutzen zeigen. Im Gegenteil: Gesundheits-Checkups produzieren unnötig Patienten, weil Grenzwerte für Cholesterin oder Blutdruck übertrieben streng angesetzt sind.

Allgemeine Gesundheits-Checkups konnten in großen Studien keinen Nutzen zeigen. Im Gegenteil: Gesundheits-Checkups produzieren unnötig Patienten, weil Grenzwerte für Cholesterin oder Blutdruck übertrieben streng angesetzt sind.

Risiko Mammografie-Screening: Durch falsch-positive Diagnosen werden tausende Frauen im Jahr unnötig zu Krebs-Patientinnen.

Dr. Lasse Krogsböll, Uniklinik Kopenhagen: „Allgemeine Gesundheits-Checkups konnten in großen Studien keinen Nutzen zeigen. Im Gegenteil: Gesundheits-Checkups produzieren unnötig Patienten. Weil Grenzwerte für Cholesterin oder Blutdruck übertrieben streng angesetzt sind.“

Nach einer bangen Woche hält Gabi H. das Ergebnis ihrer Mammographie in den Händen. Leider keine Entwarnung: um einen "unklaren Befund" abzuklären, muss sie noch einmal zur Untersuchung. Ist es Krebs?

Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs: Amerikanische Urologen raten längst vom PSA-Test ab. Wird nach dem PSA-Test operiert sind oft Inkontinenz und Impotenz die Folge. Ein Überlebensvorteil durch den Test konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Deutsche Urologen halten an dem Test fest.

Dr. Odette Wegwarth, Max Planck- Institut Berlin, Abteilung Risikoforschung: "Um eine Frau durch das Mammografie-Screening vor dem Krebstod zu retten, werden zehn Frauen fälschlicherweise auf Krebs behandelt."

Aber ist die Röntgenreihenuntersuchung der weiblichen Brust, das sogenannte Mammographie-Screening, nicht genau deswegen ins Leben gerufen worden, damit Brustkrebs frühzeitig entdeckt und dadurch gut behandelt werden kann? Leider bekommt dieses Modell, an das sich alle gewöhnt haben, Risse. Umfangreiche Studien zeigen, dass das Mammographie-Screening kaum messbare Erfolge hat, was die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Brustkrebs angeht, sondern sogar Risiken birgt.

Es werden weitaus mehr Frauen durch fehlerhafte Diagnosen zu Krebskranken erklärt und unnötig aufwendig behandelt als vor dem Krebstod gerettet werden. Auch beim allgemeinen Gesundheits-Check-up ist die Bilanz negativ. Beschwerdefreie Menschen werden für krank erklärt, etwa weil ihre Blutwerte von Normen abweichen. Medikamente werden verschrieben, ohne dass die Patienten davon profitieren.

Die Studien sind so erdrückend, dass sogar Ärztepräsident Montgomery fordert, die Empfehlungen zu überarbeiten. Müssen sich Patienten von der liebgewordenen Vorstellung verabschieden, dass man sich durch Früherkennung Gutes tut? betrifft klärt auf, welche Untersuchungen sinnvoll und welche unnötig, wenn nicht sogar potentiell schädlich sind.

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Di, 17.3.2015 | 19:30 Uhr

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