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Fernsehen im SWR

Der Krieg und seine Folgen Wer bin ich wirklich? - Besatzungskinder suchen ihre Spuren

Sendung vom Mittwoch, 19.5.2010 | 20.15 Uhr | SWR Fernsehen

Ehemalige Kriegskinder, gezeugt von deutschen und französischen Soldaten, versuchen, ihre Herkunft zu ermitteln. Jahrzehntelang waren die Archive für Nachforschungen geschlossen. Eine kleine Gruppe Betroffener macht aber Mut.

Kriegskind Michael Martin früher (li) und heute (re)

Kriegskind Michael Martin früher (li) und heute (re)

Die Folgen vom Krieg

Sie haben Jahrzehnte geschwiegen, gelitten, verdrängt. Einige zehntausend Menschen in Deutschland und Frankreich. Bis heute, über 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, schleppen sie ihre ungeklärte Vergangenheit mit sich herum.
Es sind ehemalige Kriegskinder, gezeugt von Deutschen Besatzungssoldaten in Frankreich und von französischen Kriegsgefangenen und Besatzungssoldaten in Deutschland.

In Frankreich gibt es an die zweihunderttausend dieser Kriegskinder, in Deutschland etwa zwanzigtausend. Ihre Geschichte blieb meist unbekannt, geheim, verschwiegen. Denn diese Herkunft galt als Schande, Makel, dunkler Fleck im Leben. Und viele empfinden dies noch heute so, als etwas, über das man lieber schweigt, das man unterdrückt, worüber man besser nicht spricht. Viele Kriegskinder haben ihre Väter nie kennen gelernt. Die wussten entweder nichts von den Folgen ihrer Amouren oder kümmerten sich nicht darum oder sie kehrten aus dem Krieg nicht mehr zurück. Viele begannen nach 1945 ein neues ziviles Leben - da hätte ein Besatzungskind nur gestört. Und die Mütter? Auch sie schwiegen ihren eigenen Töchtern und Söhnen gegenüber. Aus Scham. Verdrängung.

Ein schweres Los für die Frauen und Kinder

Die bekannt gewordenen Schicksale hatten zum Teil ein schweres Los zu erdulden: Französinnen, die sich mit deutschen Besatzern eingelassen hatten, wurden nach der Befreiung durch die Straßen der Dörfer und Städte getrieben, wurden kahlgeschoren, öffentlich beschimpft, geschlagen, manchmal sogar ins Gefängnis geworfen. Die Kinder wurden als "fille de boche" betitelt. Außerdem erschwerten jahrzehntelang geschlossene Archive in Frankreich und Deutschland die Nachforschungen. Man ließ es also lieber bleiben: was sollten auch Nachbarn, Bekannte, Freunde denken, die plötzlich erfuhren, welcher Herkunft man war?


Vereinigung der Kriegskinder

"BETRIFFT" versucht, Lebens-Spuren dieser ehemaligen Besatzungskinder am Beispiel einzelner Schicksale aufzuzeigen. Inzwischen haben sich einige hundert Betroffene in Vereinigungen der Kriegskinder organisiert. Sie helfen sich gegenseitig, stimulieren behördliche Nachforschungen, erleichtern den Zugang zu Archiven. Sicher, eine kleine Gruppe, die jedoch vielleicht vielen anderen von diesem Schicksal Geplagten Hoffnung gibt und Mut macht, sich auf den mühevollen Weg zu machen. Viele Kriegskinder wollen einfach wissen: Wer bin ich wirklich?


Amicale Nationale des Enfants de la Guerre (ANEG)

(Vereinigung der Kriegskinder ANEG)

3, Rue de l'Eglise
F - 76270 Mesnières en Bray

Tel:
aus Deutschland: 0033 2 35 93 25 04; in Frankreich: 02 35 93 25 04
E-Mail:
jeanine.aneg@wanadoo.fr
Internet:
Nationaler Verein der Kriegskinder e.V.

(Diese Website hat auch Seiten in deutscher Sprache)

(Telefonkontakte bitte nur in französischer Sprache. Es empfiehlt sich Brief oder E-Mail, da auch in Deutsch möglich)

Ein Film von Jochen Nuhn

Letzte Änderung am: 24.10.2009, 00.36 Uhr

Kontaktadressen Weitere Auskünfte und Infos

Für alle Interessierten, die auf der Suche nach Besatzungskindern oder deren Angehörigen sind: [mehr zu: Weitere Auskünfte und Infos]

Sendezeit

Mittwochs um 20:15 Uhr
im SWR Fernsehen

Wiederholungen:
Dienstags um 21:00 Uhr
bei EinsPlus:

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