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Auf der Draisine von Karlsruhe ans Schwarze MeerAbenteurer und Drais-Enthusiast

Am 4. Mai 2005 startete Walter Werner am Karlsruher Schloss zu einer ganz besonderen Reise: Mit der Draisine von Karlsruhe zur Donauquelle und dann immer am Fluss entlang bis zum Schwarzen Meer. 3.410 Kilometer und fünfeinhalb Monate später erreichte er am 23. Oktober 2005 sein Ziel.

Seine Reise führte Walter Werner durch Deutschland, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Serbien, Bulgarien und Rumänien. Er fuhr durch große Städte und winzige Dörfer, durch Naturschutzgebiete und Industriestandorte. Er kämpfte mit Überschwemmungen, Moskitos und Schlaglöchern. Auf seinem Weg traf er unzählige Menschen, die ihm zu essen gaben oder einen Schlafplatz boten – und ihm ihre Geschichte erzählten.

Der damals 52-jährige Österreicher machte die Tour per Rad. Und zwar mit der Mutter aller Fahrräder, der legendären Laufmaschine von 1817 - auch "Draisine" genannt. So heißt sie nach ihrem Erfinder und Konstrukteur, dem gebürtigen Karlsruher Karl Friedrich Freiherr von Drais.

Ein Verrückter?

Wie verrückt muss man eigentlich sein, wenn man sich auf eine hölzerne Laufmaschine mit eisenbeschlagenen Rädern setzt und diagonal durch den halben Kontinent tourt? "Überhaupt nicht", sagte Walter Werner vor der Abfahrt. Nur Abenteurer müsse man schon sein. Und er ist ein Abenteurer. Einer, der schon immer auf der Suche nach den eigenen Grenzen und neuen, ungewöhnlichen Erlebnissen war.

1978 strampelte der völlig durchtrainierte Mann aus der Nähe von Linz in Österreich durch die USA. Mit dem Fahrrad. Vom Süden bis nach Alaska. "Auch durch Ägypten bin ich schon gezogen", berichtet Werner, der überhaupt viel zu erzählen hat. Ohne allerdings seine Erlebnisgeschichten aufzudrängen. Ausführlich wird er aber dann schon, wenn er nach seinem Leben befragt wird.

Jahrelang hatte er als Reiseleiter gearbeitet - und als Busfahrer. Aber immer wieder zog es ihn raus aus dem Job und rein in ein neues Abenteuer. So hat er auch schon auf Tonga gelebt - im Südpazifik, wo es schon so manchen Aussteiger hingezogen hat. Dort hat er auch seine Familie gegründet.

Heute ist er von seiner Frau geschieden. Sein Sohn lebt in Neuseeland, seine Tochter in Europa. Seine Wohnung hatte Werner vor seiner Abreise gekündigt und sein Auto verkauft.

Abenteurer und Drais-Enthusiast

Zwei Gründe hatte Werner, diese Wahnsinns-Tour auf diesem schweren und störrischen Vehikel durchzuziehen: "Erstens, weil mich fasziniert, was Drais damals erfunden hat. Ich bin zu einem totalen Drais-Enthusiasten geworden. Denn schließlich hat er mit seiner Laufmaschine den Grundstein zu allem gelegt, was heute Mobilität ausmacht."

Und zweitens wollte er, der es bereits zum Vize-Weltmeister im Draisinenfahren gebracht hat, einfach mal die Donau entlang rollen. Auf den Spuren seiner Urahnen. Vor vielen Generationen hatten sich seine Vorfahren in Ulm aufgemacht, um donauabwärts eine neue Heimat zu finden. Spätere Generationen waren immer weiter am Strom entlang gezogen. "Das interessiert mich. Ich möchte sehen, wo sie gelebt haben."

Und so ist Walter Werner am Ende 3.410 Kilometer gefahren. Von Karlsruhe durch den Schwarzwald, zu den Quellflüssen Brigach und Breg und dann über den Donau-Radweg bis ans Schwarze Meer.

In Kontakt mit den Menschen

Walter Werners Original-Nachbau der legendären Draisine erregte überall, wohin er kam, gehörig Aufsehen. Nicht allein wegen ihrer Konstruktion, sondern auch wegen der seltsamen Art des Antriebs: Der Fahrer sitzt auf einem Lederbock und läuft, die Maschine zwischen den Beinen. Nicht nur die Mönche in einem rumänischen Kloster mussten erkennen, dass es alles andere als leicht ist, sich auf diese Weise fortzubewegen. Dazu braucht es einen Menschen mit besonderer Leidenschaft.

Autoren: Wolfgang Breuer/ Marion Dilg

Letzte Änderung am: 02.11.2005, 17.26 Uhr