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„Genosse Scharfsinn“
Gipfelstürmer ohne Fortune
Als einer von Willy Brandts hoffnungsvollen politischen Enkeln, erfüllte Rudolf Scharping schon bald die in ihn gesetzten Erwartungen: 1991 schaffte er die Sensation, die noch keinem Sozialdemokraten vor ihm gelungen war: Er wird Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz und schickt nach mehr als vier Jahrzehnten die CDU in die Opposition. Der damals 43-jährige SPD-Landesvorsitzende hatte als passionierter Rennradfahrer bereits die höchsten Pyrenäenpässe der Tour de France erklommen. Jetzt eroberte er mit schnellem Antritt den ersten politischen Gipfel seiner Karriere. Der blitzgescheite Westerwälder aus einfachen Verhältnissen, von Parteifreunden ehrfurchtsvoll „Genosse Scharfsinn“ genannt, machte im Regierungsamt alles richtig: Nach seiner Devise „Bewährtes mit Neuem verbinden“ verzichtete er auf eine Koalition mit den Grünen und schloss ein eher bürgerlich-solides Bündnis mit den Liberalen. Doch als Scharping zum Höhenflug in der Bundespolitik ansetzt, beginnt sein Stern schon wieder zu sinken. Der bittere Abstieg des inzwischen zum SPD-Chef und Kanzlerkandidaten gekürten Rheinland-Pfälzers beginnt mit der Niederlage bei der Bundestagswahl 1994. Lafontaines „Königsmord“ am Parteichef leiteten schwindende Autorität und den politischen Niedergang der einstigen Galionsfigur ein.
| Lebenslauf | |
| 1947 | Geboren in Niederelbert/Westerwald |
| 1966 bis 1974 | Nach dem Abitur in Lahnstein studierte Scharping an der Universität Bonn Politische Wissenschaften, Jura und Soziologie |
| 1971 | Heirat mit Ehefrau Jutta mit der er drei Töchter hat |
| 2000 | Trennung wird bekannt gegeben Lebensgefährtin wird Gräfin Pilati von Thassul zu Daxberg |
| 25. August 2001 | In einer Boulevardzeitschrift erscheinen neckische Urlaubsfotos des Verteidigungsministers Scharping mit seiner Freundin der Gräfin Pilati von Thassul zu Daxberg im Pool. Es hagelt Spott und sein Image wird nachhaltig beschädigt |
| 18. Juni 2002 | Entlassung als Verteidigungsminister. Hintergrund: Honorarzahlungen der Frankfurter PR-Agentur Moritz Hunzinger waren bekannt geworden |
| 2003 | Scheidung von seiner ersten Ehefrau und Heirat mit der Gräfin Pilati |
| Meilensteine | |
| 1966 | Eintritt in die SPD |
| 1985 | Vorsitzender SPD-Rheinland-Pfalz und der SPD-Landtagsfraktion |
| 1991 bis 1994 | Erster sozialdemokratischer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz |
| November 1992 | Scharping veranlasst die Gründung der „Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz" (ZIRP). Unternehmen und Institutionen aus Politik und Gesellschaft wirken zusammen, um zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen für das Land positiv zu beeinflussen und es beim Standortwettbewerb zu unterstützen. http://www.zirp.de/ |
| 1993 bis 1995 | Jüngster Parteivorsitzender der SPDl |
| 16. Oktober 1994 | Scharping verliert die Bundestagswahl gegen Kohl, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion |
| 16. Oktober 1995 | Verliert den Parteivorsitz unerwartet an Herausforderer Oskar Lafontaine. |
| 27. Oktober 1998 | Bundesminister der Verteidigung unter Gerhard Schröder |
| 25. August 2001 | In einer Boulevardzeitschrift erscheinen Urlaubsfotos des Verteidigungsministers Scharping mit seiner Freundin, Gräfin Pilati, mit der er im Pool planscht. Es hagelt Spott und sein Image wird nachhaltig beschädigt. |
| 18. Juni 2002 | Entlassung als Verteidigungsminister. Hintergrund: Honorarzahlungen der Frankfurter PR-Agentur Moritz Hunzinger waren bekannt geworden. |
| November 2003 | Rückzug aus der Parteispitze |
| seit März 2005 | Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer |
Übrigens, wussten Sie schon...
dass...
Scharping als Juso an seinem 21. Geburtstag für fast ein Jahr lang aus der Partei ausgeschlossen wurde? Als in Lahnstein ein Heeresmusikkorps zugunsten eines Wohlfahrtsverbandes spielte, hatte Scharping ein Flugblatt verteilt: „Gebt das Geld statt für die Starfighter der Wohlfahrt und lasst die Musik umsonst spielen“. Das wurde von der sich damals staatstragend gebenden SPD als Provokation empfunden. Seiner späteren Karriere als Bundesverteidigungsminister hat der Vorfall indes nicht geschadet.
dass...
Scharping in Italien „Romeo und Julia“ inszeniert hat?
Der Ort: Aufenthaltsraum in einem Hotel in Rom. Die Darsteller: Landtagsabgeordnete und Journalisten. Nach Feierabend inszeniert Fraktionschef Scharping Shakespeares Bühnenstück als modernes Stegreiftheater. Neben den beiden Hauptpersonen werden Bäume, Mond und Wind gecastet - und ein Förster! Und dann, nach langer witziger Probenarbeit endlich die Aufführung: Eineinhalb Minuten, dann beendet ein Schuss aus der Büchse des Förster das klassische Liebesdrama abrupt
„Romeo und Julia“ von „Regisseur“ Scharping auf das Wesentliche reduziert.
dass...
Scharping als neuer Ministerpräsident “alte Zöpfe” abschnitt? So verlegte er den alljährlichen Neujahrsempfang aus der Mainzer Staatskanzlei ins benachbarte Kurfürstliche Schloss und ordnete an „Es soll zu keinem Defilieren kommen“. Doch die geladenen Honoratioren wollten nicht verzichten. Die Schlange vor dem Festsaal war länger denn je. Scharping jedoch, schlich sich ungesehen in den Empfangssaal. Seither halten Ministerpräsidenten den Neujahrsempfang immer in einer anderen Stadt ab und kommen so zu ihren Bürgern - ohne höfisches Zeremoniell.
Orte in Rheinland-Pfalz mit Bezug zu Rudolf Scharping
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Letzte Änderung am: 15.08.2007, 08.46 Uhr