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Wissenschaftler und Kirchenmann Oswald von Nell-Breuning (34.)

Der Vater der katholischen Soziallehre

Jesuitenpater mit politischem Profil

Streitbar und provokant in der Sache, jedoch ohne Vorbehalte und inhaltliche Tabus, ein scharfer Analytiker und brillanter Redner – so wurde Oswald von Nell-Breuning geschätzt. Der aus Trier stammende Jesuitenpater gilt als Begründer der katholischen Soziallehre. Wie lassen sich wirtschaftliches Handeln und christliche Maßstäbe miteinander vereinbaren? Um diese Frage drehte sich das Lebenswerk Nell-Breunings. Besonders das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und den Arbeitern prangerte er an und setzte sich für eine Einheitsgewerkschaft ein. Auch wenn er bei Politikern wie Helmut Schmidt und Norbert Blüm und Gewerkschaftern ein gefragter Berater war, ließ er sich weder für die eine noch für die andere Seite vereinnahmen. Er blieb ein unbequemer Kritiker. So setzte er sich etwa für eine Verkürzung der Arbeitszeit ein, lehnte aber den von den Gewerkschaften geforderten vollen Lohnausgleich ab. Bereits 1931 formulierte er in der Sozial-Enzyklika „Quadragesimo anno“ das Subsidiaritätsprinzip, das „Vorrecht der jeweils kleineren Gemeinschaft“ und der Privat-Initiative vor der staatlichen. Den für alles zuständigen Versorgungsstaat lehnte er ab. Bis heute haben die Ansichten des Jesuitenpaters an Aktualität nicht verloren. Mit seinem Tod 1991 im biblischen Alter von 101 Jahren hinterlässt er 1.800 Schriften.


Lebenslauf
8. März 1890Oswald von Nell-Breuning wird in Trier als Sohn des 1. Beigeordneten der Stadt Trier, Dr. jur. Arthur von Nell, und seiner Ehefrau Bernharda von Breuning geboren.
1908Abitur am humanistischen Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier
anschließend Studium der Mathematik und Naturwissenschaften in Kiel, München, Straßburg, Berlin sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
1910Studium der Philosophie und Theologie in Innsbruck
1911Eintritt in den Jesuitenorden
1915 bis 1916Sanitäter im Kriegseinsatz im Ersten Weltkrieg
1921Priesterweihe
1928Promotion zum Dr. theol.in Münster/Westf. mit einer Arbeit über „Grundzüge der Börsenmoral“
21. August 1991 Oswald von Nell-Breuning stirbt im Alter von 101 Jahren in Frankfurt am Main.

Meilensteine
1928Lehrstuhl für christliche Gesellschaftslehre und Ethik/Hochschule St. Georgen, Frankfurt/M., an dem er auch nach seiner Emeritierung (Ruhestand durch Befreiung von Lehrpflichten) noch lange lehrt und arbeitet.
1930 bis 1931Als Berater von Pius XI. wirkt er maßgeblich an der Formulierung der berühmten Sozial-Enzyklika „Quadragesimo anno“ mit.
1936 bis 1945Während der NS-Herrschaft hat Nell-Breuning Schreib- und Publikationsverbot.
1944Nell-Breuning wird zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, braucht die Strafe allerdings nicht mehr anzutreten.
1948 bis 1965Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates beim Bundesministerium für Wirtschaft
1947 bis 1950„Wörterbuch der Politik“ (5 Bände), dessen Beiträge berühmt werden
1949Lehrauftrag für Christliche Gesellschaftslehre an der Akademie für Arbeit in Frankfurt/M.
1956Honorarprofessor für philosophische Grundlagen der Wirtschaft an der Frankfurter Universität

Übrigens, wussten Sie schon...

dass...
Oswald von Nell-Breuning sich zwar sein ganzes Leben lang mit sozialen Themen auseinander setzte, selbst aber eher kontaktarm war? So wurde er nach der Priesterweihe für Vorträge, aber nicht für die Seelsorge eingesetzt. “Ich weiß, dass ich auf Mitmenschen meist sehr ernüchternd wirke”, sagte er einmal selbst über sich, “das muss ich in Kauf nehmen, wie jeder mit den Gaben arbeiten muss, die der Herrgott ihm gegeben hat.”

dass...
sich Oswald von Nell-Breuning mit den Lehren eines anderen berühmten Sohnes seiner Heimatstadt Trier auseinander setzte, mit denen von Karl Marx: “Erst wenn alles Fehlerhafte, worauf Marx mit seiner Kritik uns aufmerksam gemacht hat, wenigstens grundsätzlich berichtigt und ausgeräumt sein wird, so dass wir dieses Stachels in unserem Fleisch nicht mehr bedürfen, erst dann ist dieser große Gegner wirklich überwunden.”


Orte in Rheinland-Pfalz mit Bezug zu Oswald von Nell-Breuning

  • Lindenstraße 42, Trier

    Geburtshaus von Oswald von Nell-Breuning
     
  • Benedektinerabtei St. Matthias in Trier

    ehemaliges Gut der Familie von Nell, wo Oswald von Nell-Breuning mit seinen Eltern ab 1897 lebte

  • Dominikaner-Weingut Christoph von Nell, Kasel im Ruwertal

    Weingut der Familie Nell-Breuning, das heute von Oswald von Nell-Breunings Neffe und Patensohn,  Christoph von Nell-Breuning, und seiner Familie betrieben wird. Oswald von Nell-Breuning hat dort aber nie gelebt.

Kandidaten mit Bezug zu Oswald von Nell-Breuning

  • Karl Marx

    Beide wurden in Trier geboren. Nell-Breuning setzte sich auch mit den Ideen von Karl Marx auseinander.

Links

Buchtipp:

Autor: Grein, Eberhard
Titel: „Ich war immer Opposition...“
Verlag: EOS Verlag
Erscheinungsdatum: 2005
ISBN: 978-3-8306-7216-6
Preis: 12,80 €

Letzte Änderung am: 15.08.2007, 08.38 Uhr

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