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Gottesmann mit Moselwurzeln
Kosmopolit mit mittelalterlichem Schuhwerk und moderner Frisur
Nikolaus von Kues, geboren 1401 als Sohn des vermögenden Kaufmanns Krebs, waren viele Talente in die Wiege gelegt worden. Aber nicht gerade die, die ihn zu dem machten, was er später wurde: kluger Diplomat des Papsttums und ein moderner Geist - lange vor der Moderne. Wäre Nikolaus von Kues nur anderthalb Jahrhunderte später geboren, er hätte gute Chancen gehabt, mit Giordano Bruno den Scheiterhaufen der Inquisition zu teilen oder wie Galileo Galilei zum Schweigen verurteilt zu werden. Denn viele Auffassungen, die die Kirche später unversöhnlich verfolgte, waren schon seine. Darunter der für das katholische Mittelalter wohl folgenschwerste Gedanke: dass die Erde nicht das Zentrum des Universums ist. Nach ausgedehnten Studien in Padua und Köln wurde Kues zum kirchenpolitischen Handlungsreisenden in einer Zeit der kirchlichen Spaltung. Anfangs setzte er sich noch für demokratische Entscheidungen der Kirchenvertreter ein. Doch als die Spannungen unter diesen wachsen, fordert er die Führung des Papstes.
Sein geistiges Vermächtnis wurde die Schrift „De docta ignorantia“: kein menschliches Wissen genießt absolute Sicherheit. In seiner Heimat Kues hat er sein Plädoyer für Toleranz und Einheit der Kirche abgeschlossen. Und dort, wo sein Herz begraben liegt, im St. Nikolaus-Hospital in Bernkastel-Kues, werden auch bis heute seine Schriften aufbewahrt. Und damit auch seine wichtigsten Anliegen: die Ideen von gegenseitigem Respekt und friedlichem Zusammenleben.
| Lebenslauf | |
| 1401 | Nikolaus Krebs wird in Kues an der Mosel geboren |
| 1427 | Dekan in Koblenz |
| 1430 | Sekretär des Erzbischofs von Trier |
| 1432 bis 1437 | Bevollmächtigter des Trierer Erzbischofs beim Basler Konzil |
| 1450 | Papst Nikolaus V. ernennt Nikolaus von Kues zum Kardinal Bischof von Brixen |
| 1458 | Gründung der Cusanus-Stiftung |
| 11. August 1464 | Nikolaus von Kues stirbt in Todi, Umbrien (Italien) |
| Meilensteine | |
| 1417-23 | Studium in Padua, ausgedehnte humanistische Studien |
| 1437 | Vorbereitende Reise nach Konstantinopel zur Aufhebung der Trennung von der Ostkirche |
| 1440 | Abschluss der Hauptschrift „De docta ignorantia“ in Kues |
| 1448 | Nikolaus wird zum Kardinal ernannt. |
| 1450 | Kues erhält das Fürstbistum Brixen. |
| 1459 | Kurienkardinal und Berater von Papst Pius II. |
Übrigens wussten Sie schon...
dass...
Nikolaus von Kues schon während des Basler Konzils 1436 auch Vorschläge zu einer Reform des Julianischen Kalenders formuliert hat? Erst 1582 allerdings hat man die Probleme mit der Einführung des Gregorianischen Kalenders zu beseitigen begonnen.
dass...
die heute im Cusanusstift befindliche Privatbibliothek von Nikolaus von Kues eine der international bedeutendsten Schriftensammlungen zur Antike und zum Mittelalter ist?
dass...
Nikolaus von Kues im Zuge seiner Studien zum Kreis und der Kugel en passant auch ein Spiel entwickelt hat, dass man bis heute unter dem Namen “Globoule”, Kues nannte es “Ludus globi” (Spiel des Globus), kennt?
Orte in Rheinland-Pfalz mit Bezug zu Nikolaus von Kues
Links
Buchtipps:
Autor: Flasch, Kurt
Titel: Nikolaus von Kues
Verlag: Klostermann
Erscheinungsdatum: 2001
ISBN: 978-3-465-03140-6
Preis: 39,00 €
______________
Autor: Meffert, Ekkehard
Titel: Nikolaus von Kues
Verlag: Freies Geistesleben
Erscheinungsdatum: 2001
ISBN: 978-3-7725-1965-9
Preis: 30,00 €
Letzte Änderung am: 15.08.2007, 08.37 Uhr