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Der Erfinder der Bugholzmöbel
Möbeldesigner der ersten Stunde
Der Tischlermeister Michael Thonet aus Boppard gehört mit seiner Erfindung der Bugholzmöbel zu den innovativsten Möbeldesignern der Welt. Thonet war der Erste in seiner Branche, der im 19. Jahrhundert den Schritt vom Handwerker zum Industriellen wagte - und er schaffte den Spagat zwischen Design und Massenproduktion. 1842 verließ er Boppard als armer Mann und wurde in Wien weltberühmt. Thonets „Stuhl Nr. 14" gilt als der traditionelle Stuhl für Wiener Kaffeehäuser und ist das meistproduzierte Sitzmöbel der Welt. Dieser Kaffeehausstuhl wurde industriell hergestellt, verpackt, verschifft und erst am Bestimmungsort zusammengeschraubt. Somit schaffte Thonet die Grundlage für die Typen- und Modellvielfalt der späteren Industrieproduktion. Sein „Sessel Nr. 1" besteht aus Fertigteilen, die nach dem Baukastensystem auch mit Teilen anderer Modelle kombiniert werden können. Auf Initiative von Fürst Metternich war der Tischlermeister, der 1796 in Boppard zur Welt kam, nach Wien gegangen. Es war ihm schwer gefallen, Boppard zu verlassen, aber seine finanzielle Situation zwang ihn dazu, das Angebot Fürst Metternichs anzunehmen. Thonet hatte Metternich auf der Koblenzer Gewerbeschau kennen gelernt. 1871 stirbt Michael Thonet in Wien als reicher Industrieller. Heute wird das Familienunternehmen in der fünften Generation geführt.
| Lebenslauf | |
| 1796 | Michael Thonet kommt in Boppard am Rhein zur Welt. |
| 1820 | Thonet heiratet Anna Grahns. Die beiden bekommen 13 Kinder, von denen acht im Kleinkindalter sterben. Die fünf überlebenden Kinder sind alles Söhne. |
| 1842 | Thonet zieht von Boppard nach Wien |
| 1862 | Thonets Frau Anna stirbt |
| 1871 | Firmengründer Michael Thonet stirbt in Wien als reicher Mann. Zum Zeitpunkt seines Todes unterhält das Unternehmen Verkaufsniederlassungen in fast allen Metropolen Europas, drei in Russland und zwei in den USA. |
| Meilensteine | |
| 1830 bis 1836 | Thonet entwickelt den Bopparder Schichtholzstuhl aus in Leimbad gekochtem, gebogenem Holz |
| 1842 | Österreichs Fürst Metternich holt Thonet nach Wien. |
| 1849 | Thonet macht sich zusammen mit seinen Söhnen in Wien selbständig |
| 1850 | Großauftrag von Anna Daum zur Bestuhlung ihres Kaffeehauses |
| 1852 | Eröffnung der ersten Verkaufsniederlassung in Budapest, ein Jahr später in London |
| 1853 | Michael Thonet überträgt das Unternehmen seinen fünf Söhnen. Es läuft unter dem Namen „Gebrüder Thonet“ |
| 1856 | Die Gebrüder Thonet bauen ihre erste Fabrik in Mähren. Dort wird der Stuhl Nr. 14 massenweise produziert. |
| 1860 | Die Gebrüder Thonet bauen den ersten Schaukelstuhl der Welt |
| 2007 | Das Möbelbauer-Unternehmen besteht in der fünften Generation. Sitz ist Frankenberg an der Eder. |
Übrigens, wussten Sie schon...
dass...
Thonet eine Leimsiederei kaufte? Thonet erwarb ein Stück Unabhängigkeit, indem er 1837 eine Leimsiederei - die Bopparder Michelsmühle - kaufte und somit das Material, das er zum Biegen der Hölzer brauchte, selbst herstellen konnte? Thonet kochte beispielsweise Holz in Leim und machte es dadurch biegsam.
dass...
Fürst von Metternich und Thonet sich in Koblenz begegneten? Fürst Metternich, der aus Koblenz stammte, entdeckte Thonets Schichtholzstühle auf der Koblenzer Gewerbemesse. Metternich war so begeistert, dass er Thonet bei Hof empfahl und ihn nach Wien holte.
dass...
die Thonets auch Thonet-Räder konstruierte? Durch Thonets neuartige Nabenkonstruktion ist bei den Holzrädern das Wechseln der Speichen ohne Nacharbeiten möglich. Die Räder wurden bei schweren Fuhrwerken und Kanonen eingesetzt.
Orte in Rheinland-Pfalz mit Bezug zu Michael Thonet
Kandidaten mit Bezug zu Michael Thonet
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Buchtipp:
Autor: Selle, Gert
Titel: Design im Alltag. Vom Thonetstuhl zum Mikrochip.
Verlag: Campus Verlag
Erscheinungsdatum: 2007
ISBN: 978-3-593-38337-8
Preis: 19,90 €
Letzte Änderung am: 15.08.2007, 08.36 Uhr