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Mainzer Oberbürgermeister zum Anfassen
Schon zu Lebzeiten eine Legende
„Der populärste Mainzer seit Gutenberg“. Schon zu seinen Lebzeiten wurde Jockel Fuchs mit diesem außergewöhnlichen Prädikat bedacht. Erlangt hatte der volksnahe Sozialdemokrat seine Popularität vor allem während seiner 22-jährigen Amtszeit als Oberbürgermeister. Seine unkonventionelle Amtsführung nach dem Motto „leben und leben lassen“ sowie sein guter Draht zu den Bürgern trugen zu dem legendären Ruf bei. In seiner Amtszeit entwickelte sich die Stadt zum modernen Industrie- und Medienstandort. Zu seinen Verdiensten zählen die Ansiedlung von IBM und der Umzug des ZDF auf den Lerchenberg. Das „Mainzer Modell“, eine Koalition aus SPD, CDU und FDP, sicherte ihm Mehrheiten sowie seine Vielzahl an Posten, unter anderem den einflussreichen Vorsitz im ZDF-Fernsehrat. Fuchs war auch SPD-Landeschef und Oppositionsführer im Landtag. Seine bundesweite Popularität verdankte Fuchs nicht zuletzt der Fernsehfastnacht. Das verschmitzte Grinsen ließ ihn seinem Namensvetter aus dem Tierreich immer ähnlicher sehen. Beharrlich hatte sich Fuchs um die Aussöhnung mit den Emigranten Carl Zuckmayer und Anna Seghers bemüht. Ein großer Tag für Mainz war der Besuch des englischen Königspaares im Mai 1978. Unvergessen, wie das Stadtoberhaupt die Unterhaltung in gepflegtem Mainzer Englisch führte. Im Gutenberg-Museum fiel dann der legendäre Satz: „Majesty, and now we go enunner in the Druckerwerkstatt.“
| Lebenslauf | |
| 07. Dezember 1919 | Jakob „Jockel“ Fuchs wird in Hargesheim bei Bad Kreuznach als Sohn eines Landarbeiters geboren. |
| 1938 | Abitur; der Ortspfarrer hatte ihm den Schulbesuch bis zur Hochschulreife ermöglicht; danach Beginn eines Volontariats; wenig später wird Fuchs zum Reichsarbeitsdienst eingezogen. |
| 1939 bis 1945 | Soldat im Zweiten Weltkrieg; wird Leutnant der Luftnachrichtentruppe |
| 1947 | Entlassung aus französischer Kriegsgefangenschaft |
| ab 1948 | Fortsetzung der journalistischen Ausbildung in der Redaktion der Mainzer SPD-Zeitung „Die Freiheit“; 1957 wird er ihr Chefredakteur. |
| 1951 | Fuchs heiratet seine Frau Hannelore, geb. Schlitzer (2 Kinder). |
| 06. März 2002 | Der SPD-Politiker verstirbt in Mainz im Alter von 82 Jahren nach schwerer Krankheit. |
| Meilensteine | |
| 1948 | Eintritt in die SPD |
| ab 1955 | Seine politische Laufbahn beginnt; Fuchs wird erstmals in den rheinland-pfälzischen Landtag gewählt; er gehört ihm bis 1975 an. |
| 1965 bis 1987 | Als Oberbürgermeister der Stadt Mainz prägt Fuchs den Wiederaufbau der vom Krieg zu 70 Prozent zerstörten Stadt entscheidend mit. |
| 1966 bis 1970 | Vorsitzender der rheinland-pfälzischen SPD |
| 1970 bis 1971 | Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion; im Anschluss bis 1975 stellvertretender Fraktionschef |
| 1962 bis 1992 | Mitglied des ZDF-Fernsehrates – ab Mai 1976 dessen Vorsitzender |
| 1971 | Ehrendoktorwürde der Chung-ang-Universität in Seoul |
| 2003 | Oberbürgermeisters in Jockel-Fuchs-Platz umbenannt |
Übrigens, wussten Sie schon...
dass...
... Jockel Fuchs 1974 beinahe nicht auf den Weinmarkt gegangen wäre? Er hatte Angst, die Mainzer würden ihn wegen der Mehrkosten für das Rathaus in Höhe von 22 Millionen Mark beschimpfen; er ging dann doch hin, und was passierte? Die Mainzer klopften ihm auf die Schulter und sagten: „Komm Jockel, Kopf hoch!“
dass...
... Jockel Fuchs gerne auf dem Markt einkaufen ging? Dort traf er dann oft Hermann Kardinal Volk zu einem Schwätzchen; zusammen mit der Marktfrau wurde es manchmal auch ein Plausch zu dritt.
dass...
... es Jockel Fuchs beim Besuch der Queen Elizabeth II. fast die Sprache verschlagen hätte? Als er im Mainzer Gutenberg-Museum seine vorbereitete Rede halten wollte, war das Redemanuskript spurlos verschwunden; er überspielte die Situation und parlierte launig in gepflegtem Mainzer Englisch.
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Letzte Änderung am: 14.08.2007, 08.55 Uhr