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Wissenschaftler, Kirchenmann Paul-Josef "Nardini" Lichtenberger (31.)

Der Armenvater von Pirmasens

Ein begnadeter Seelsorger

„Paul Josef Nardini war ein Geschenk für die Menschen“, sagte der Münchner Kardinal Wetter bei der Seligsprechung des promovierten Theologen und Priesters im Oktober 2006 im Speyrer Dom. Tausende Katholiken waren zu diesem Ereignis gekommen, darunter auch viele aus Pirmasens. Dorthin war Nardini 1851 als Pfarrer berufen worden. Zuvor war er Pfarrer in Geinsheim bei Neustadt/Weinstraße und hatte dort die Herzen seiner Gemeindemitglieder erobert. Nein, sie wollten ihn nicht fortlassen, doch der junge Nardini entsprach der Bitte seines Bischofs und ging in die westpfälzische Diaspora. 1821 als uneheliches Kind in Germersheim geboren, kannte der Kirchenmann Not und Elend. Doch Nardini war erschüttert, was er in der frühindustriellen Stadt an Armut erlebte. Trotz großer Widerstände gründete er 1855 die Schwesterngemeinschaft der „Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie“. Heute hat der Orden, als „Mallersdorfer Schwestern“ bekannt, weltweit rund 1.100 Mitglieder. Nardini wird eine Wunderheilung zugesprochen – Voraussetzung für seine Seligsprechung. Durch seine Fürsprache soll 1953 eine todkranke Ordensschwester wieder völlig genesen sein. Die Frau überwand Krebs im Endstadium, nachdem ihre Mitschwestern am Grabe Nardinis gebetet hatten. Eine medizinische Erklärung gibt es für die Heilung nicht.


Lebenslauf
25. Juli 1821Nardini wird als uneheliches Kind unter dem Namen Lichtenberger in Germersheim geboren.
ab 1823Er wächst in der Familie einer Großtante auf; von seinem Pflegevater erhält er den Namen „Nardini“.
ab 1834Nach dem Besuch der Volksschule sollte er das Schusterhandwerk erlernen; doch aufgrund seiner Begabung darf er die Lateinschule in Germersheim besuchen.
1838Nardini wechselt auf das Gymnasium in Speyer und wird 1840 in das neu eröffnete Bischöfliche Konvikt aufgenommen.
1841Nach dem Abitur und philosophischen Studien beginnt Nardini in München mit dem Theologiestudium.
25. Juli 1846Er promoviert mit Auszeichnung.
27. Januar 1862Nardini stirbt in Pirmasens an den Folgen einer Lungenentzündung.

Meilensteine
22. August 1846Nardini wird im Dom zu Speyer zum Priester geweiht.
01. Dezember 1846Der junge Priester wird zum Leiter des Bischöflichen Konvikts ernannt; Nardini will aber lieber seelsorgerisch als Priester arbeiten.
11.April 1850Er wird Pfarrer in Geinsheim; mit seinen Predigten erreicht er die Menschen.
08. Mai 1851Nardini wird gegen den Willen seiner Geinsheimer Gemeinde als Pfarrer nach Pirmasens versetzt; um der Not der Menschen vor Ort zu begegnen, errichtet Nardini eine Niederlassung der Niederbronner Schwestern aus dem Elsass.
02. Mai 1855Nachdem die Obrigkeit den elsässischen Ordensschwestern mit Ausweisung gedroht hat, gründet er eine neue Schwesterngemeinschaft: „Arme Franziskanerinnen von der Heiligen Familie“.Als „Mallersdorfer Schwestern“ sind bis heute in der Kranken- und Armenpflege tätig.
22. Oktober 2006Paul Josef Nardini wird im Dom zu Speyer selig gesprochen; den Akt vollzieht im Auftrag des Papstes der Erzbischof von München und Freising, Friedrich Kardinal Wetter.

Übrigens, wussten Sie schon...

dass...
ein Münchner Professor über den Studenten Nardini urteilte: „Er wird einst eine Zierde seiner Diözese sein“?

dass...
die Doktorarbeit Nardinis zum Thema „Die Dämonen im Neuen Testament“ aus Geldmangel nicht gedruckt werden konnte?

dass...
seit Oktober 2006 ein Oberschenkelknochen Paul Josef Nardinis als Reliquie in der Emmauskapelle von Duttweiler aufbewahrt wird?


Orte in Rheinland-Pfalz mit Bezug zu Paul Josef Nardini

  • Speyer

    Bistumshaus St. Ludwig; ehemaliges Bischöfliches Konvikt dessen Leitung Nardini 1846 übertragen worden war
     
  • Neustadt/Weinstraße

    Katholisches Pfarramt St. Peter und Paul in Geinsheim; dort trat Nardini seine erste Stelle als Pfarrer an


  • Pirmasens
    Nardinihaus; im Mai 1855 von Nardini als Armenkinderhaus gegründet; dort befindet sich sein Grab

Kandidaten mit Bezug zu Paul Josef Nardini

  • Friedrich Wilhelm Raiffeisen

    Raiffeisen, ein Zeitgenosse Nardinis, begründete das System der Genossenschaftsbank, um gegen die Verelendung der bäuerlichen Bevölkerung vorzugehen; Bauern konnten nun zum einen Geld anzusparen, zum anderen konnten sie sich zum Kauf von Vieh und Gerätschaften auch günstig Geld leihen


  • Kardinal Karl Lehmann

    Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Bischof Lehmann, stand während der Seligsprechung Nardinis mit um den Altar im Speyerer Dom

Links

Buchtipp:

Autor: Bauer, M. R.
Titel: Paul Josef Nardini
Verlag: Don Bosco Verlag
Erscheinungsdatum: 2006
ISBN: 978-3-7698-1624-2
Preis: 12,90 €

Letzte Änderung am: 14.08.2007, 08.48 Uhr

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