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Schriftstellerin Clara Viebig (74.)

Die Eifelschriftstellerin

Wiederentdeckte Bestsellerautorin

„Eifeldichterin" wird sie genannt. Das klingt nach Idylle und Romantik, doch naive Heimatdichtung, das war nicht die Sache der Clara Viebig - einer der populärsten Schriftstellerinnen des frühen 20. Jahrhunderts. Ehrlichkeit erhob sie zu ihrem Motto, eine klare, schnörkellose Sprache kennzeichnete ihren Stil. Wer wissen will, wie die Menschen in der Zeit um 1900 gelebt haben, die kleinen Bauern in der Eifel, die verarmten Winzer an der Mosel, die Arbeiter in den emporschießenden Industriestädten des Ruhrgebiets, die in bitterer Armut gehaltenen Tagelöhner in Posen oder die Dienstboten in Berlin, der findet bei Clara Viebig Schilderungen von eindringlicher Schärfe. Krass und unverblümt schreibt sie über existentielle Not aber auch über sexuelle Freizügigkeit, weibliche Selbstbestimmung und Doppelmoral. Die Veröffentlichung ihres ersten großen Romans „Das Weiberdorf" löste in der Eifel einen Skandal aus: Die Kirche wetterte gegen das „sittenverderbende Machwerk". Die Bevölkerung fühlte sich verhöhnt und bedrohte Clara Viebig bei einem ihrer Besuche mit Mistgabeln. Das ist mittlerweile vergessen. Heute werden die realitätsnahen und spannenden Geschichten der lange vergessenen Autorin wieder gerne gelesen. Es ist eines ihrer größten Verdienste, die Landschaft der Eifel für die Literatur entdeckt zu haben. Und damit hat sie der Region und den Menschen ein unvergängliches Denkmal gesetzt.


Lebenslauf
17.Juli 1860Clara Viebig wird in Trier geboren. Vater: Oberregierungsrat
1876Intensive Begegnung mit Land und Leuten der Eifel
1883Übersiedlung von Clara Viebig und ihrer Mutter nach Berlin- Zehlendorf („Haus Klara“)
1896Eheschließung mit dem jüdischen Verleger Friedrich Theodor Cohn, in dessen Verlag sie ihre Werke publiziert
1897Geburt des Sohnes Ernst Viebig
1898 bis 1933Vortragsreisen durch Europa und die USA. Zahlreiche Aufenthalte in Bad Bertrich
1933Verfolgung des jüdischen Ehemannes und seines Verlagshauses durch die Nationalsozialisten. Clara Viebig zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück
14. Februar 1936Tod des Ehemannes, vorübergehender Aufenthalt von Viebig bei ihrem in Brasilien lebenden Sohn
1940 bis 1946 Clara Viebig verlässt Berlin, lebt bis zu ihrer Vertreibung 1946 im schlesischen Mittelwalde.
17.Juli 195090. Geburtstag: Ehrung der „sozialkritischen Erzählerin“ durch Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl („Ehrensold der DDR“)
31. Juli 1952Clara Viebig stirbt in Berlin; begraben auf dem Nordfriedhof in Düsseldorf neben ihrem Vater

Meilensteine
1892Emil Zolas „Germinal“ wird zum literarischen. Vorbild für ihre naturalistischen Milieu- und Landschaftsschilderungen
1900/1908Die Eifelromane „Das Weiberdorf“ und „Das Kreuz im Venn“ sorgen für Aufsehen
1905Der Berliner Dienstbotenroman „Das tägliche Brot“ wird zum Erfolg.
1930Ehrungen zum 70. Geburtstag: Die Presse vergleicht sie mit Thomas Mann und Gerhart Hauptmann.
1935Letzte Publikation: „Der Vielgeliebte und die Vielgehasste". Ihr Werk umfasst 25 Romane, sieben Novellensammlungen und fünf Dramen.
31. Juli 1992 Gründung der Clara-Viebig-Gesellschaft in Bad Bertrich. Viebigs Werke erleben eine Renaissance. Straßen in Trier, Bad Bertrich und Düsseldorf sind nach ihr benannt.

Übrigens, wussten Sie schon...

dass...
Theodor Fontane Clara Viebig förderte und sie mit ihrem späteren Ehemann Friedrich Theodor Cohn bekannt machte? Cohn betrieb zu dieser Zeit gemeinsam mit Fontanes Sohn einen Verlag

dass...
Clara Viebigs Vater 1848 Abgeordneter der Stadt Posen im ersten Deutschen Parlament in der Frankfurter Paulskirche war?

dass...
Clara Viebig vor ihrer eigentlichen Karriere als Schriftstellerin Gesang an der Berliner Hochschule für Musik studierte?


Orte in Rheinland-Pfalz mit Bezug zu Clara Viebig

  • Trier

    Geburtsort von Clara Viebig
     
  • Bad Bertrich

    Sitz der Clara-Viebig-Gesellschaft. Zahlreiche Aufenthalte der Schriftstellerin zwischen 1900 und 1936. Hier betrieb sie Studien und war literarisch tätig.

  • Eisenschmitt
    In dem Ort spielt der Roman „Das Weiberdorf“. Heute erinnern ein Museum und ein Brunnen an Clara Viebig. Viebigs Enkel waren 1998 aus Brasilien zu Besuch in der Eifelgemeinde

Kandidaten mit Bezug zu Clara Viebig

  • Johannes Bückler

    Clara Viebig thematisiert die Geschichte des Räubers Schinderhannes in ihrem 1922 erschienenen Roman „Unter dem Freiheitsbaum“

  • Karl Marx

    Ebenfalls geboren in Trier; Marx schrieb 1842 Zeitungsartikel über das soziale Elend der Moselwinzer. Clara Viebig schildert die Not der Winzer nach dem ersten Weltkrieg in ihrem Moselroman „Die goldenen Berge“ von 1928

  • Mario Adorf

    Adorf stammt aus Mayen. Beiden gemeinsam ist die Liebe zur Eifel

Links

Buchtipps:

Autor: Viebig, Clara
Titel: Kinder der Eifel
Verlag: Rhein-Mosel-Verlag
Erscheinungsdatum: 2007
ISBN: 978-3-929745-60-3
Preis: 9,90 €
_________________

Autor: Viebig, Clara
Titel: Das Weiberdorf
Verlag: Rhein-Mosel-Verlag
Erscheinungsdatum: 2007
ISBN: 978-3-89801-015-3
Preis: 9,90 €

Letzte Änderung am: 14.08.2007, 08.31 Uhr

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