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Der Starfotograf des kleinen Mannes
Ein Soziologe mit der Kamera, der das deutsche Wesen einfangen wollte
Drei selbstbewusste Jungbauern mit Spazierstöcken am Feldrand stehend, ein stiernackiger korpulenter Konditormeister mit Rührschüssel posierend – Bilder, die Geschichte schrieben. Der 1876 in Herdorf an der Heller geborene August Sander ist einer der weltweit bekanntesten deutschen Fotografen. Dabei wurde ihm seine Künstlerkarriere nicht unbedingt mit in die Wiege gelegt. Aus einer Bergmannfamilie stammend arbeitet er nach seiner Schulzeit zunächst als Haldenjunge auf einer Herdorfer Grubenanlage. Mit einer von seinem Onkel spendierten Kamera begann er als Autodidakt zu fotografieren. In drei Wanderjahren als Fotografengehilfe, die ihn nach Dresden, Berlin und Leipzig führten, vervollkommnete er sein Handwerk. Mit seiner Frau Anna eröffnete er 1902 sein erstes Atelier in Linz an der Donau, später übersiedelte das Paar nach Köln. Mit Preisen und Medaillen für seine Fotos wurde Sander schon zu Lebzeiten ausgezeichnet. Seine Berühmtheit erlangte er aber durch ein besonderes fotografisches Projekt: „Menschen des 20. Jahrhunderts“. Seine Idee war mit Hilfe der Kamera ein umfassendes Gesellschaftsbild seiner Zeit zu entwerfen. Verschiedene Stände und Berufsgruppen wie Handwerker, Bauern, Künstler, sollten in einem 45 Mappen umfassenden Werk festgehalten werden. Das Projekt wurde zwar nie ganz vollendet, aber große Teile seiner Gesellschaftsstudie in Lichtbildern konnte er doch verwirklichen und gerade diese spannenden Portraits befinden sich heute in den großen Kunstmuseen und werden von Fachleuten auf der ganzen Welt geschätzt.
| Lebenslauf | |
| 17.11.1876 | August Sander wird in Herdorf a. d. Heller geboren |
| 1890 –1896 | Sander arbeitet nach Schulzeit als Haldenjunge im Herdorfer Bergbau |
| 1899 – 1901 | Wanderjahre als Fotografengehilfe (u.a. Berlin, Dresden, Leipzig) |
| 1901 | Anstellung als 1. Operateur in der Photographischen Kunstanstalt Greif in Linz an der Donau |
| 1902 | Heirat mit Anna Seitenmacher, Gründung Atelier „Sander und Stuckenberg“ in Linz |
| 1910 | Übersiedlung nach Köln und Eröffnung eines dortigen Ateliers |
| 1929 | Sanders erste Buchveröffentlichung „Antlitz der Zeit“ |
| 1939 | Umzug nach Kuchhausen |
| 20.4.1964 | August Sander stirbt in Köln |
| Meilensteine | |
| 1909 | Silberne Staatsmedaille bei Ausstellung in Linz |
| 1934 | Die Nazis verbieten seine Publikation „Antlitz der Zeit“ und zerstören die Druckstöcke |
| 1944 | Sanders Sohn Erich stirbt in politischer Haft |
| 1954 | Edward Steichen vom New Yorker Museum of Modern Art besucht Sander in Kuchhausen, um Bilder für eine Ausstellung auszuwählen |
| 1958 | August Sander wird Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde Herdorf |
| 1960 / 1961 | Bundesverdienstkreuz 1. Klasse / Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie |
Übrigens, wussten Sie schon...
dass...
August Sander unerschütterlich an sich glaubte und ahnte, berühmt zu werden? „Eines Tages wird die Welt meine Arbeit verstehen, und alle werden davon leben. Wenn es den Kindern nicht zugute kommt, wird es den Enkeln zugute kommen“, schrieb Sanders in einem Brief. Eine Prophezeiung, die in Erfüllung ging. Der Nachlass soll den Enkeln bei seinem Verkauf an die SK-Stiftung Kultur in Köln über sechs Millionen D-Mark eingebracht haben.
dass...
ein Sander-Foto wie „Der Konditor“ nicht unter 50 000 Dollar zu haben ist?
dass...
August Sander auf dem Ozeandampfer Bremen fotografierte?
Orte in Rheinland-Pfalz mit Bezug zu August Sander
Links
Buchtipps:
Autor: Sander, August
Titel: Antlitz der Zeit
Verlag: Schirmer/Mosel
Erscheinungsdatum: 2003
ISBN: 978-3-88814-357-1
Preis: 6,95 €
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Autor: Sander, August
Titel: August Sander. Linzer Jahre 1901-1909
Verlag: Schirmer/Mosel
Erscheinungsdatum: 2005
ISBN: 978-3-8296-0217-4
Preis: 39,80 €
Letzte Änderung am: 14.08.2007, 08.27 Uhr