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Sagengestalt Die Loreley, alias Lore Lay, Lureley (29.)

Die berühmteste Blondine der Welt

Legende auf dem Rheinfelsen

„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin." Wehmütig klingt eines der berühmtesten deutschen Volkslieder in der Höhe von St. Goarshausen bei Rheinkilometer 554 aus den Lautsprechern der Ausflugsdampfer. Sogar Japaner und Amerikaner können die Melodie mitsummen. Die Blicke der Touristen gleiten den 132 Meter steil emporragenden Schieferfelsen hinauf. Doch oben sitzt keine Jungfrau, die „mit goldenem Kamme ihr goldenes Haar kämmt“, wie es das Lied verheißt – lediglich zwei Fahnen flattern im Wind. Auch heute noch fasziniert die Geschichte von der jungen Schönen, die die Schiffer mit ihrem Gesang dermaßen betört haben soll, dass sie in den Strudeln der engsten und tiefsten Rheinpassage ihr Unheil finden. Schon im Mittelalter hatte der Ort magische Anziehungskraft aufgrund eines siebenfachen Echos, das hier zu hören war. Die schöne Jungfrau erschuf der Romantiker Clemens Brentano erst um 1800 - eine unglücklich Verliebte aus Bacharach, die sich vom Felsen in den Rhein stürzt. Zur mordenden Sirene machte sie der deutsche Dichter Heinrich Heine 24 Jahre später und bezeichnet das als „Märchen aus uralten Zeiten". Mit der Vertonung des Heine-Gedichtes durch Friedrich Silcher 1837 tritt die Loreley ihren Siegeszug an, inspiriert Künstler und verzaubert die Menschen - weit über das Rheintal hinaus.


Lebenslauf
1800Loreley wird noch unter dem Namen „Lore Lay“ in der Ballade „Zu Bacharach am Rheine“ von Clemens Brentano „geboren“.

Meilensteine
1810 bis 1812Clemens Brentano schreibt seine vier Rheinmärchen und entwickelt die Gestalt der „Lore Lay“ weiter; sie wird zu „Frau Lureley“, eine Wasserfrau, eine Art Melusine
1818Eine weitere Metamorphose erlebt die Loreley bei Aloys Wilhelm Schreiber in „Die Jungfrau auf dem Lurley“. In seinem „Handbuch für Reisende am Rhein“ ist sie eine Sirene und Tochter von Vater Rhein.
1824Heinrich Heine greift den Stoff der „Lore Lay“ in seinem Gedicht „Die Lore-Ley“ auf und verhilft ihr zu Ruhm.
1837Friedrich Silcher vertont Heines Gedicht; das Stück bekommt durch den sich entwickelnden Rheintourismus und die Sängerbewegung „Volkslied-Charakter“; selbst die Nationalsozialisten trauen sich nicht, das Lied zu verbieten – Heine war Jude.

Übrigens, wussten Sie schon...

dass...
die Loreley Namenspatronin zahlreicher Dinge ist, nicht nur etlicher Rheinschiffe, Hotels und Eisbecher, sondern auch des 165. Asteroiden, eines Minensuchbootes der Bundeswehr, eines Ortes in Zimbabwe (Lorelei) sowie eines Berges in Namibia südlich der Stadt Lüderitz (Loreleyfelsy)?

dass...
die Gruppe Dschingis Khan 1981 mit dem Lied Single “Loreley” die Charts stürmte?

dass...
die Loreley selbst im 19. und 20. Jahrhundert Vorbild für das - von Männern entworfene – Frauenbild ist, des “sinnlichen, Verderben bringenden Weibes”. So ist auch der Name des Showgirls in der Komödie “Blondinen bevorzugt” (1953) bezeichnend: Lorelei Lee – gespielt von Marilyn Monroe?


Orte in Rheinland-Pfalz mit Bezug zur Loreley

  • Auf der Loreley
    Auf dem Felsen hat die Loreley der Sage nach gesessen und die Schiffer mit ihrem Gesang ins Unheil getrieben.
    Besucherzentrum

Kandidaten mit Bezug zur Loreley

  • Clemens Brentano
    Der aus Koblenz stammende Schriftsteller erschuf die Loreley um 1800 in seiner Ballade „Zu Bacharach am Rheine“.

Links

Buchtipp:

Herausgeber: Kramp, Mario
Titel: Die Loreley (Ausstellungskatalog)
Verlag: Zabern
Erscheinungsdatum: 2004
ISBN: 978-3-8053-3369-6
Preis: 39,90 €

Letzte Änderung am: 08.08.2007, 08.33 Uhr

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