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Keltensiedlung Heuneburg Macht und Reichtum an der Donau

Vor 2.500 Jahren war die Heuneburg ein frühkeltischer "Fürstensitz" und Handelsknotenpunkt an der oberen Donau. Heute gehört sie zu den wichtigsten Geländedenkmälern Mitteleuropas. Nur wenige Kilometer entfernt fanden der Tübinger Archäologe Dr. Siegfried Kurz und sein Team im Oktober 2005 einen keltischen Goldschatz.

Rekonstruierte Gebäude auf der Heuneburg

Rekonstruierte Gebäude

Um 500 v. Chr. war die Burganlage mit 100 bis 150 Häusern dicht bebaut, es gab Wege und Gassen. Der Archäologe Siegfried Kurz sieht die Lebensbedingungen kritisch: "Das macht vielleicht einen recht modernen Eindruck, aber ich hätte zu der Zeit nicht leben wollen: Es gab keine gepflasterten Wege, die Häuser saßen eng aufeinander drauf, auf der Burg gab es Kleintierhaltung. Das war alles auf einem sehr einfachen Niveau."

Enorme Wirtschaftskraft

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Freizeit-Darsteller leben für einige Tage wie die Kelten

Anders im Vorland der Heuneburg, das auf einer Fläche von 100 Hektar besiedelt war: Dort gab es größere Gehöfte. "Die Anbaufläche war aber zu klein, als dass wir von landwirtschaftlicher Selbstversorgung ausgehen können", sagt Siegfried Kurz. "Ich denke, dass sich - wie auf der Burg - auch im Vorland privilegierte, führende Familien aus der Umgebung niedergelassen haben."

Auf den Gehöften fanden die Wissenschaftler Hinweise auf Bronzehandwerk, Glasverarbeitung und Textilhandwerk. Letzteres überschritt den örtlichen Bedarf bei weitem. Siegfried Kurz: "Da steckte eine beachtliche Wirtschaftskraft dahinter. Und das setzt wiederum eine gesicherte Versorgung mit Rohstoffen wie Kupfer, Zinn oder fertig legierter Bronze voraus." Der Tübinger Forscher geht davon aus, dass Produkte von der Heuneburg in einem Umkreis von bis zu 70 Kilometern gehandelt wurden.

Abholzung und Umweltschäden

Blick vom Wehrgang der Heuneburg über das Donautal zum Bussen

Blick über das Donautal

Was heute ein strukturschwacher Raum ist, war vor 2.500 Jahren eine Metropole, ein vorgeschichtlicher Ballungsraum. Siegfried Kurz beschreibt, wie die Landschaft damals aussah: "Es gab Gruppen von fünf, maximal zehn Gehöften, die am Rand oder inmitten der bewirtschafteten Felder lagen. Nach ein paar hundert Metern kam schon die nächste Gehöftgruppe."

Die dichte Besiedlung und das intensive Handwerk brachten erhebliche Probleme mit sich. Siegfried Kurz: "Solche Bevölkerungskonzentrationen waren damals immer temporär. Das geht eine bestimmte Zeit gut, dann sind die lokalen Ressourcen verbraucht." Wissenschaftler können den Bedarf an Bau- und Brennholz errechnen, der nötig war, um die Siedlungen zu versorgen. "Wenn Holz nicht importiert wurde, war den Siedlungen irgendwann die Grundlage entzogen."

Rätsel für die Wissenschaft

Pollenanalysen bestätigen, dass im Lauf der Besiedlung an der Heuneburg die Landschaft tatsächlich immer weniger bewaldet war. Sogar heute gibt es dort mehr Wälder als damals. Was mit den Menschen dann geschah, können die Forscher bisher nur vermuten. Denn wenn Einwohner abwandern oder eine Siedlung aufgelöst wird, ist das archäologisch nicht fassbar. Siegfried Kurz: "Gegenwärtig wissen wir nicht, was so gegen 400 v. Chr., am Ende der Heuneburg-Zeit passiert ist."

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