Navigation

Volltextsuche

Seite vorlesen:

Porträt GSG 9Bewährungsprobe in Mogadischu

Die Geiselbefreiung von Mogadischu 1977 war der erste Einsatz der Grenzschutzgruppe (GSG) 9 und er machte sie weltberühmt. Jahrelang hatte sich die Eliteeinheit auf einen Ernstfall dieser Art vorbereitet.

Gegründet wurde die Grenzschutzgruppe 9 nach dem Schock des Olympia-Massakers von 1972 und der missglückten Geiselbefreiung auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck. Das palästinensische Kommando "Schwarzer September" hatte am 5. September 1972 die israelische Mannschaft bei den Olympischen Spielen in München überfallen. Beim nächtlichen Versuch der Polizei, Geiseln aus einem Hubschrauber auf dem Militärflugplatz Fürstenfeldbruck zu befreien, starben in einem mehrstündigen Gefecht 15 Menschen: neun israelische Sportler, fünf der acht Terroristen und ein Polizist.

Die Gründe für das Debakel waren schnell klar: Die Polizei in Deutschland war in keiner Weise auf derartige Situationen vorbereitet. Der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) beschloss daher, eine Sondereinheit des Bundesgrenzschutzes aufzustellen, und die Innenminister der Länder stimmten zu. 

Einsätze bei Terrorismus und schwerster Gewalt

In Sankt Augustin-Hangelar bei Bonn entstand unter dem Kommando des Grenzschutzoffiziers Ulrich Wegener eine schlagkräftige Truppe. Was heute für Spezialeinsatzkräfte selbstverständlich ist, gab es nach Berichten von Zeitzeugen nicht bei deutschen Polizeieinheiten und musste für die GSG 9 erst beschafft werden: Nachtsichtgeräte, Scharfschützengewehre, automatische Waffen und handliche Funkgeräte zur Verständigung während eines Einsatzes.

Der Auftrag der Spezialeinheit ist die Bekämpfung von Terrorismus und schwerster Gewaltkriminalität. Immer wieder wird die Befreiung von Geiseln in unterschiedlichen Szenarien trainiert. Der Gruppe gehören unter anderem Taucher, Präzisionsschützen und Fallschirmspringer an. Bewerber werden einem strengen Eignungstest unterzogen. Sie erhalten dann eine viereinhalb Monate dauernde Basisausbildung und eine ebenso lange Spezialausbildung. Danach werden die Beamten, so viel ist die GSG 9 bereit zu offenbaren, in den drei Einsatzeinheiten für die jeweilige Spezialverwendung weitergebildet und ständig trainiert. Zur Ausbildung gehört der Nahkampf, das Abseilen aus Hubschraubern und das Aufsprengen von Türen.

"Mythos Mogadischu"

Am 18. Oktober 1977 konnte die GSG 9 jahrelang Eingeübtes umsetzen und befreite in Mogadischu Passagiere und Besatzung aus der von Palästinensern entführten Lufthansa-Maschine "Landshut". "Mythos Mogadischu" heißt es seitdem – die Gruppe hat Tradition und genießt höchstes Ansehen. So durfte sie bei der Umbenennung des Bundesgrenzschutzes in "Bundespolizei" als einzige Einheit ihren alten Namen behalten. Doch über das Innenleben der GSG9 ist nicht viel bekannt. Geheimhaltung gehört zum Grundprinzip.

Negativschlagzeilen: Schusswechsel von Bad Kleinen

Im Schnitt gibt es fast wöchentlich einen Einsatz, heißt es. Viele davon sind hoch gefährlich. Und einige werden bekannt, weil es Tote gibt. So beim Zugriff auf RAF-Terroristen in Bad Kleinen 1993. Ein GSG 9-Beamter und ein Terrorist sterben bei dem Schusswechsel. 2004 werden zwei Beamte bei einem Einsatz im Irak getötet. Und im Sommer 2007 ist auch ein GSG 9-Polizist unter den Opfern eines Anschlags auf Deutsche in Afghanistan.

Einsätze sind streng geheim

Doch was sind heute reale Einsätze? Dazu schweigt Olaf Lindner, Kommandeur der GSG 9. Alles streng geheim. Nicht einmal den Angehörigen dürfen seine Leute Details erzählen: "Natürlich arbeiten wir diese Themenfelder auch in unserer Gemeinschaft innerhalb der GSG 9 auf, dass heißt wir diskutieren entsprechend darüber. Wir sehen uns als große Gemeinschaft, in dieser Familie darf das dann auch alles besprochen werden, aber es soll auch in dieser Familie bleiben." Der bislang letzte bekannte Einsatz der Männer der GSG 9 war die Festnahme von drei mutmaßlichen islamistischen Terroristen im Sauerland Anfang September dieses Jahres.

Frauen sind in der rund 240 Mann starken Truppe nicht dabei. Kommandeur Lindner: "Wir hatten mehrere Frauen, die das Eignungsauswahlverfahren durchlaufen haben, dann aber letztlich leider nicht alle Qualifikationen erbracht haben." Leistung – die steht für die GSG9 ganz oben. Gerne misst man sich auch bei Wettkämpfen im internationalen Vergleich. 2007 haben sie die Weltmeisterschaft der Spezialeinheiten allerdings nicht gewonnen. Es siegte das Sondereinsatzkommando Baden-Württemberg.

Autoren: Holger Schmidt, Biggi Hoffmann

Letzte Änderung am: 12.10.2007, 14.50 Uhr