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Fünf Wochen nach der Entführung von Schleyer kaperte ein palästinensisches Terrorkommando das Flugzeug "Landshut". Damit wollten sie die RAF-Terroristen unterstützen. In der Nacht zum 18. Oktober stürmte die Sondereinheit GSG9 die Maschine.
An Bord des Flugzeugs, das am 13. Oktober auf dem Weg von Palma de Mallorca nach Frankfurt entführt wurde, befinden sich 86 Passagiere und fünf Besatzungsmitglieder. Nach einem mehrtägigen Irrflug durch Südeuropa, den Nahen Osten bis nach Afrika landet die Maschine schließlich in Mogadischu (Somalia). Nach langen Verhandlungen zwischen der Bundesregierung und dem somalischen Staatspräsidenten bekommt die deutsche Spezialeinheit GSG 9 des damaligen Bundesgrenzschutzes den Auftrag, die Maschine zu stürmen.
Tagelang fliegen sie der entführten "Landshut" hinterher, doch erst in Somalia kommt die Erlaubnis zum Einsatz. Mit Leitern schleichen die Mitglieder der Eliteeinheit im Schutz der Dunkelheit erst unter die Maschine, dann an die Türen. Blendgranaten explodieren vor dem Cockpit – die "Aktion Feuerzauber" beginnt.
Eine Geisel erzählte später, dass während der nächtlichen Aktion plötzlich die Notausgänge wie von Geisterhand aufgingen: "So leise, kein Ton nix, und synchron auf beiden Seiten. Und dann sehe ich da ein schwarzes Gesicht und da ein schwarzes Gesicht und denke, was kommt da für eine Sorte Mensch?" Es sind die Männer der Elite-Einheit GSG 9. Und nur Sekunden später beginnen sie den Sturm der Maschine. Die Geisel erinnert sich: "Dann wurde da geschrien: 'Alles runter, Köpfe runter.' Sie wissen aber gar nicht, wer da schreit." Schüsse und eine Detonation seien zu hören gewesen.
Drei der vier Geiselnehmer sterben bei dem Schusswechsel – doch wie durch ein Wunder wird keine der Geiseln lebensbedrohlich verletzt. Alles geht so schnell, dass die Flugzeug-Insassen kaum wissen, wie ihnen geschieht. Nach nur 12 Minuten meldet sich Staatsminister Hans-Jürgen Wischnewski telefonisch bei Bundeskanzler Helmut Schmidt. Die Leitung ist schlecht. Der Bundeskanzler versteht erst im zweiten Anlauf den Satz "Die Arbeit ist getan." – und vor allem, dass es keine Opfer unter den Geiseln gegeben hat. Für den Fall, dass Geiseln bei der Aktion getötet worden wären, sei er fest entschlossen gewesen zurückzutreten, erzählte Schmidt später.
Noch in der Nacht verkündete Regierungssprecher Klaus Bölling in Bonn Einzelheiten der Aktion. Er sagt: "Die Geiseln von Mogadischu sind frei! Wir danken den tapferen Männern der Gruppe 9 des Bundesgrenzschutzes, die für die Geiseln, für die Besatzung der Lufthansamaschine und in Wahrheit für die Gesamtheit unserer Bürger ihr Leben gewagt haben."
Für die Männer der GSG 9 war Mogadischu die erste große Bewährungsprobe – und ein Einsatz, von dem der Ruf der Truppe bis heute zehrt. Einzelne Polizisten, die damals dabei waren sind immer noch in anderen Funktionen bei der Einheit – von Mogadischu erzählen sie noch heute.
Autor: Holger Schmidt
Letzte Änderung am: 12.10.2007, 13.07 Uhr