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Terror in Rheinland-PfalzAnschlag auf Oberlandesgericht Zweibrücken

Im Terrorjahr 1977 war Deutschland wegen der RAF-Attentate in Alarmstimmung. Als gefährdet galten auch die Justizbehörden in Zweibrücken (Westpfalz). Dort saßen drei Terroristen im Gefängnis. Der Terror erreichte Zweibrücken in der Nacht zum 31. Oktober 1977.

Wenige Minuten nach Mitternacht war am Montagmorgen ein gigantischer Knall zu hören. Manche Anwohner hielten es für den Lärm, den ein Jagdflugzeug beim Durchbrechen der Schallmauer erzeugt. Tatsächlich war es jedoch der Lärm einer Detonation: Ein Anschlag auf das Oberlandesgericht, das sich im früheren Residenzschloss der Herzöge von Zweibrücken befindet.

Eine selbstgebaute Bombe in einem Feuerlöscher sprengte das Eingangsportal weg. Dabei gingen fast alle Fensterscheiben an der Rückseite des Schlosses zu Bruch. Verletzt wurde niemand, der Schaden betrug etwa 25.000 Mark (rund 12.800 Euro).

Dabei hatte die Justiz hier insbesondere mit Anschlägen auf Personen gerechnet, erzählte der frühere Oberlandesgerichtspräsident Reinhold Mundt. Man habe sogar "vorsorglich" als besonders gefährdete Personen eingestufte Kollegen "erkennungsdienstlich" behandelt: Das heißt, es wurden Vorkehrungen getroffen, um eventuelle Tote schneller identifizieren zu können.

Drei RAF-Terroristen saßen in Zweibrücken ein

Der Grund für die Besorgnis: Am 2. Juni verurteilte das Landgericht Kaiserslautern die RAF-Terroristen Manfred Grashof und Klaus Jünschke zu lebenslanger Haft und Wolfgang Grundmann zu vier Jahren Haft. Die drei verbüßten ihre Strafe im Gefängnis von Zweibrücken. Jünschke war an einem Überfall der RAF 1971 auf eine Filiale der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank in Kaiserslautern beteiligt, bei dem ein Polizist erschossen wurde. 1988 wurde Jünschke begnadigt, weil er sich glaubhaft vom Terrorismus losgesagt hatte.

Nach dem Anschlag auf das Oberlandesgericht Zweibrücken - man vermutete RAF-Kreise als Urheber - gab es noch mehrere Bombendrohungen in Zweibrücken. Bei der Räumung eines Kaufhauses erlitt eine ältere Frau einen tödlichen Herzinfarkt.

Zwei Wochen nach der Bombenexplosion nahm die Polizei in Kaiserslautern acht Mitglieder der Gruppe "Antifaschistischer Kampf" fest. Mangels Beweisen waren sie jedoch bald wieder auf freiem Fuß.

Autorin: Biggi Hoffmann

Letzte Änderung am: 29.10.2007, 09.46 Uhr