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Fehlgeschlagener Anschlag"Es hätte ein Blutbad gegeben"

Interview mit Dr. Dietmar Preißler

Mittlerweile steht sie im Haus der Geschichte in Bonn: die "Stalinorgel", mit der RAF-Mitglieder am 25. August 1977 die Bundesanwaltschaft attackieren wollten. In einem Interview mit SWR.de erklärt Dr. Dietmar Preißler, Sammlungsleiter im Haus der Geschichte, wie diese tödliche Maschine funktionieren sollte.

SWR.de: Wie konnten die RAF-Mitglieder so eine gefährliche Waffe bauen?

Dr. Dietmar Preißler: Das war eine relativ einfache Bastelarbeit von Peter-Jürgen Boock. Sein Talent lag im Bereich der Technik. Er hatte - zwar nur sehr kurz, aber immerhin - die Ausbildung als Metallschlosser gemacht. Von daher war er prädestiniert dafür, solche Waffen zu basteln. Und zwar mit Dingen, die man im Baumarkt oder in Sanitärabteilungen erwerben kann: Kabel und Metallrohre. Stellen Sie sich mal vor, Sie stehen in einem Baumarkt, kaufen etwas und neben Ihnen steht ein potentieller Terrorist, der sich genauso im Baumarkt bedient wie Sie sich auch!

Wie muss man sich dieses zusammengebastelte Flächenschussgerät vorstellen?

Das Gerät ist auf vier Ebenen mit Spanplatten aufgebaut, ähnlich wie ein Kellerregal. Auf diesen Spanplatten sind 42 Rohre angebracht, in denen jeweils ein Geschoss steckte. Jedes Geschoss wäre von selbst gemixtem Sprengstoff angetrieben worden, der es mit großer Wucht aus dem Rohr hinausgeschleudert hätte. Ein Aufschlagzünder hätte dann im Gebäude der Bundesanwaltschaft eine weitere Sprengladung gezündet.

Was ist ein Aufschlagzünder?

Das war in diesem Fall einfach ein Nagel, der vorne am Geschoss angebracht war. Wäre dieser Nagel auf einen Widerstand geprallt, hätte er eine Zündkapsel zerstoßen. Die Terroristen hatten ganz normale Schrotpatronen gekauft, sie aufgeschnitten und die Zündkapseln mit in die Geschosse hineingebaut. Über diese Zündkapsel wäre dann der Sprengstoff gezündet worden und das Geschoss wäre mit fürchterlicher Wirkung explodiert.

Wie sollte dieses Flächenschussgerät gezündet werden?

Peter-Jürgen Boock hatte einen mechanischen Wecker gekauft. Solche mechanischen Wecker haben ja ein Läutwerk. An diesem Läutwerk, das um 16.00 Uhr hätte losgehen sollen, war ein Kontakt angebracht. Der war über einen Schleifkontakt wiederum mit einer Batterie verbunden. Über elektrische Impulse, die die Batterie abgegeben hätte, wären die Geschosse gezündet worden.

Was wäre passiert, wenn der Wecker um 16.00 Uhr tatsächlich geläutet hätte?

Wenn die Maschine wirklich funktioniert hätte, dann wären innerhalb von drei Sekunden über 40 Geschosse in das Gebäude der Bundesanwaltschaft eingeschlagen. Die Geschosse waren auf die beiden obersten Stockwerke ausgerichtet. Um 16.00 Uhr ist davon auszugehen, dass viele Angestellte der Bundesanwaltschaft an ihren Schreibtischen gesessen hätten. Die Wirkung wäre fatal gewesen. Die Terroristen haben ja die Wirkung vorher getestet und Peter-Jürgen Boock berichtete später, dass von dem Baum, auf den sie gezielt hatten, nichts mehr übrig blieb. Es hätte ein Blutbad gegeben.

Autorinnen: Sarah Renner / Solveig Merkel

Letzte Änderung am: 20.08.2007, 17.21 Uhr

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