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Aus heutiger Sicht überrascht es, wie wenig 1977 für die Sicherheit des damaligen Generalbundesanwalts getan wurde. Inzwischen sind Limousinen mit Panzerglas und entsprechendem Geleitschutz an der Tagesordnung. Warum war Siegfried Buback so wenig geschützt?
Wer das Geschehen und die Tatortbilder vom Mord an Siegfried Buback genauer studiert, wundert sich, wie wenig für die Sicherheit des Generalbundesanwalts getan wurde. Heutzutage patrouillieren Polizisten um die Häuser der Nachfolger. Kein bedeutender Politiker oder Unternehmer, der nicht in einer gepanzerten Limousine mit entsprechendem Geleitschutz unterwegs ist.
Der oberste Ankläger der Bundesrepublik ließ sich in den 70er Jahren in einem Dienstwagen chauffieren, der keine Fenster aus schusssicherem Panzerglas hatte. Obwohl er der so genannten "Gefahrenstufe 1" zugeordnet wurde, ließ er sich nur selten von einem Polizisten begleiten, berichtete der damalige baden-württembergische Innenminister Karl Schiess (CDU) nach dem tödlichen Attentat.
Siegfried Buback wusste wohl, dass er im Visier der RAF stand, aber nicht nur er. Alle, die damals für Planung und Durchführung von Sicherheitsmaßnahmen zuständig waren, wurden von dem grausamen Vorgehen der Terroristen überrascht. Bubacks Sohn erzählt: Wenn sein Vater an Heiligabend mit der Familie in die Kirche ging, hatte er ein kleines Täschchen mit einer Dienstpistole dabei. Aus heutiger Sicht eine eher anrührende Maßnahme. Wir wissen auch, dass Hanns-Martin Schleyer, der ebenfalls 1977 entführt und ermordet wurde, nicht in einer gepanzerten Limousine unterwegs war.
Warum diese Männer so lässig mit der für sie bedrohlichen Situation umgingen, dafür hat der damalige Chef der West LB, Ludwig Poullain, eine Erklärung: "Wir waren alle im Krieg gewesen. Ich hatte dort bestimmt jämmerliche Angst. 1977 und später habe ich dieses Gefühl niemals verspürt. Wir sind mit der RAF-Bedrohung rational umgegangen, viel zu gleichgültig." Und als weiteren Grund formuliert er: "Man trat die Flucht in die Verdrängung an. Wer von uns Angst hatte, zeigte sie nicht. Wir taten alle gelassen, rissen sogar Witze, wenn bei einer Aufsichtsratssitzung mehr Personenschützer als Aufsichtsräte saßen."
Vielleicht hat diese Haltung auch viel mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) zu tun. Auch er griff auf seine Offizierserfahrung im Zweiten Weltkrieg zurück, zeigte sich bewusst kompromisslos im Kampf gegen die RAF-Bedrohung.
Autoren: Michael Reissenberger, Biggi Hoffmann
Letzte Änderung am: 03.04.2007, 16.57 Uhr