Navigation

Volltextsuche

Seite vorlesen:

Der Baader-Meinhof-Komplex

Der "Karl May" unter den Büchern über die Rote Armee Fraktion – und in den Bücher-Regalen in den Studenten-Buden der 80er und 90er-Jahre sicher so verbreitet, wie in den 60ern der "Schatz im Silbersee": Die Geschichte der Roten Armee Fraktion als packende Action-Geschichte. Und Stefan Aust weiß, worüber er schreibt:

Buch

Originaltitel:
Der Baader-Meinhof-Komplex
Autor:
Stefan Aust
Verlag:
Goldmann
Produktion:
1997
Genre:
Sachbuch
Preis:
12,00 Euro
Bestellnummer:
ISBN 9783442129539

Im Gegensatz zu Karl May, der wohl nie selbst im "Wilden Westen" gewesen ist, war Aust teilweise "live" dabei – zum Beispiel als es 1970 galt, die kleinen Töchter von Ulrike Meinhof vor der Verschleppung nach Jordanien zu bewahren und sie zum leiblichen Vater zu bringen.

Das Buch von Aust spielt für die Aufarbeitung der Geschichte der RAF eine ähnliche Rolle, wie die Biographie von Joachim Fest für die Betrachtung von Adolf Hitler: Beide Bücher eröffneten die öffentliche Auseinandersetzung mit einem bis dahin verdrängten Thema der deutschen Geschichte. Doch damit enden leider die Gemeinsamkeiten. Aust ist nicht Fest und auch kein Historiker. Aust ist Journalist, er will darstellen: sich und den Baader-Meinhof-Komplex. Dadurch ist das Buch eine ständige Gratwanderung zwischen Sachbuch und Räuberpistole. Und es ist bei unkritischen Lesern sicher einer der Auslöser des oft beschriebenen RAF-Kultes – der die Terroristen zu Karl-May-Figuren verklärt.

Doch Abhilfe ist möglich. Zum Beispiel durch die Parallel-Lektüre des Buches von Klaus Pflieger, der – sehr nüchtern – aus der Perspektive des Staatsanwaltes schreibt. So hat man beide Sichtweisen: Die Lagerfeuer-Perspektive und die des Sheriffs, um im Bild zu bleiben.

Autor: Holger Schmidt

Letzte Änderung am: 26.03.2007, 17.33 Uhr