Seite vorlesen:
Die Autoren Klaus Stern und Jörg Herrmann, Jahrgang 1968 bzw. 1958 sind jung genug, um sich der Geschichte der RAF und eines ihrer Protagonisten – Andreas Baader – mit einer gewissen Distanz und Nüchternheit zu nähern. Sie teilen sich diese Aufgabe und das Leben Baaders in die Zeit vor und nach 1972, als er in Stammheim inhaftiert wurde.
Der Vater von Baader, ein promovierter Kunstkritiker, kehrt nicht aus dem Krieg zurück und Andreas wächst in einem "Frauenhaushalt" auf. Die Unstetigkeit und Orientierungslosigkeit des Jungen bereiten der Mutter schon früh Sorgen. Klaus Stern gelingt es durch umfassende Recherche und zahlreiche Gespräche (er trifft zum Beispiel Baaders Tochter Suse in Paris) ein Bild von Baader zu zeichnen, das zwar nicht klar ist aber die vielen Facetten seiner Persönlichkeit widerspiegelt. Erst 1968, kurz vor der Kaufhausbrandstiftung in Frankfurt, scheint er seinen Weg gefunden zu haben, nämlich den der radikalen Gewalt gegen den Staat.
Jörg Herrmann setzt im Jahr 1972 an. Baader kommt schwer verwundet ins Haftkrankenhaus Düsseldorf, danach in die Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt und schließlich nach Stammheim. Es folgen die Prozesse im eigens gebauten Hochsicherheitstrakt, die Diskussion über die Haftbedingen, die Hungerstreiks und schließlich die Eskalation im Jahre 1977, die mit dem Mord an Schleyer und dem kollektiven Selbstmord von Ensslin, Raspe und Baader ihren traurigen Höhepunkt findet. Durch die differenzierte Darstellung der Geschehnisse in Stammheim, ermöglicht Jörg Hermann dem Leser, eine Vorstellung von Baader und der Spirale zu bekommen, die sich unweigerlich dem Ende entgegen bewegte.
Er inszenierte sich als Dandy und suchte sich Vorbilder im französischen Filme Noir. Rainer Langhans attestierte ihm eine diebische Freude an wirklich bösen Sachen. Der spätere Generalbundesanwalt Kurt Rebmann fand ihn fast schon sympathisch, während Jean-Paul Sartre, Manfred "Bommi" Baumann und andere Gesinnungsgenossen ihn aufs heftigste beschimpften. Nach Lektüre des Buches ist klar, dass alle in gewisser Weise recht hatten.
Autor: Tobias Hufnagl
Letzte Änderung am: 26.03.2007, 17.14 Uhr