Ein Mann, der schon auf vielen Stühlen gesessen hat: Mario Adorf war mal Boxer, bevor er zum Schauspielstar wurde. Inzwischen ist er auch als Buchautor bekannt. Als Sohn einer deutschen Mutter und eines italienischen Vaters kam Adorf am 8. September 1930 in Zürich auf die Welt. Seine Heimat ist allerdings Mayen in der Eifel, wo er aufwuchs.
Anfang der 50er Jahre studierte Adorf vier Semester Philosophie und Theaterwissenschaft in Mainz. Dort entdeckte der Amateurboxer das Theater für sich - zunächst auf der Studentenbühne. Nach Statisten-Rollen und einer Regieassistenz am Schauspielhaus Zürich folgte 1953 bis 1955 ein Schauspielstudium an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Der Durchbruch gelang Adorf 1957 mit der Darstellung eines naiv-brutalen Serienmörders in dem Film "Nachts, wenn der Teufel kam".
Nicht nur der Durchbruch, sondern ein fulminanter Erfolg: Für seine Darstellung in "Nachts, wenn der Teufel kam" wurde Mario Adorf 1958 als bester Nachwuchsdarsteller mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Auf diesem Foto freut er sich zusammen mit Hannes Messemer, Liselotte Pulver und Annemarie Dühringer über die Ehrung.
Im Laufe seiner Karriere hat Mario Adorf zahlreiche Filmpreise bekommen. 2004 wurde er nach 1958, 1982 und 1992 ein weiteres Mal mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Diesmal allerdings nicht als Nachwuchskünstler, sondern für seine "Verdienste um den deutschen Film".
Allerdings war Adorfs Karriere keineswegs eine rein deutsche Angelegenheit. In den 60er Jahren war er in einigen Italo-Western als Cowboy unterwegs. So zum Beispiel in Robert Hosseins "Haut für Haut", in dem Adorf 1961 einen mexikanischen Revoluzzer spielte.
Aber auch der "Neue Deutsche Film" konnte auf Mario Adorf zählen. Volker Schlöndorff besetzte ihn 1975 neben Angela Winkler in seinem Film "Die verlorene Ehre der Katharina Blum", der auf einer Erzählung Heinrich Bölls basiert.
Auch für "Die Blechtrommel" (1979), einer weiteren großen Literaturverfilmung von Volker Schlöndorff, stand Mario Adorf vor der Kamera. Hier sieht man ihn mit Filmsohn David Bennet, der den blechtrommelnden Oskar Matzerath spielte. Privat hat Adorf eine Tochter, die ebenfalls Schauspielerin ist.
Von der Nachkriegszeit der "Blechtrommel" in die Münchner Schickeria der 80er Jahre: Als rheinischer Klebstoff-Fabrikant Haffenloher ließ Adorf in "Kir Royal" die Puppen tanzen. Helmut Dietls Serie gilt als ein Höhepunkt in der Fernsehkarriere des Schauspielers.
Wer ihn nach "Kir Royal" noch nicht kannte, kam spätestens durch die Fernsehfilme von Dieter Wedel - darunter "Der Schattenmann" (1995) und "Die Affäre Semmeling" (2002) - nicht mehr an Mario Adorf vorbei. Hier sieht man ihn als Kaufhaus-König Peter Bellheim in Wedels TV-Mehrteiler "Der große Bellheim" (1993). Adorf erhielt für seine Darstellung den Adolf-Grimme-Preis.
Mit Dieter Wedel arbeitete Mario Adorf auch bei den "Nibelungen-Festspielen" in Worms zusammen. 2002 stand er als Hagen von Tronje, der den Helden Siegfried (Götz Schubert, links) ermordet, auf der Bühne.
Jenseits der Rollen macht Mario Adorf aus seinem Herzen aber keine Mördergrube. Für seinen "feinsinnigen Humor und schlagfertigen Witz" verlieh ihm der Aachener Karnevalsverein 2009 den Orden "Wider den tierischen Ernst". Überhaupt kann sich Adorf vor Auszeichnungen kaum retten. Er besitzt unter anderem zwei Bundesverdienstkreuze, die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt Mayen und den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz. Zudem wurde der Schauspieler mit der Ehrendoktorwürde der Universität Mainz ausgezeichnet, auch wenn er sein Studium dort nie abgeschlossen hat.
Zum 80. Geburtstag gibt es neben dem Ehrendoktortitel auch die Erstausstrahlung des Fernsehfilms "Der letzte Patriarch". Mario Adorf spielt darin einen Marzipan-Fabrikanten, der sich nicht nur mit seinem Familienbetrieb und den eigenen Lebenslügen auseinandersetzen muss, sondern auch mit einer globalisierten Geschäftswelt .
Auch Adorf selbst macht sich Gedanken zu Wirtschaft und Gesellschaft. Er sieht das Ende des Kapitalismus vor der Tür stehen. Passend dazu hat er seit Jahren einen besonderen Wunsch: einmal Karl Marx spielen. An der physischen Ähnlichkeit muss er zumindest nicht mehr viel arbeiten.
Sollte das nicht aber klappen, hat der Schauspieler auch so genug zu tun. Mit vollem Körpereinsatz stand Adorf im Sommer 2010 für "Gegengerade - Niemand siegt am Millerntor" vor der Kamera. Der Film um eine Gruppe von Fans des Hamburger Fußballclubs St. Pauli soll 2011 in die Kinos kommen.
Fit hält ihn aber nicht nur die Arbeit, sondern auch Ehefrau Monique, die darauf achtet, dass ihr Mann jeden Tag Sport macht. Seit mehr als 40 Jahren sind die beiden ein Paar, seit 25 Jahren auch verheiratet.