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HintergrundWer war Tim K.?

Wer war der 17-jährige Amokläufer, der an der Realschule in Winnenden ein Blutbad angerichtet hat? Tim K. galt als unauffällig und nett. Ersten Ermittlungen zufolge beschäftigte er sich aber mit so genannten Killerspielen und soll ein Waffennarr gewesen sein.

Nach Angaben der ermittelnden Staatsanwaltschaft Stuttgart wuchs Tim K. in seinem Elternhaus auf. Sein Vater ist ein erfolgreicher Unternehmer, die Familie gilt als wohlhabend. Zu seiner drei Jahre jüngeren Schwester bestand ein normales geschwisterliches Verhältnis. Von seiner Persönlichkeit her war er ein zurückhaltender, eher stiller Mensch, etwas verschlossen. Tim K. wird aber auch als durchaus freundlich beschrieben. Er hatte nicht viele, aber auch freundschaftliche Kontakte zu Gleichaltrigen. Für einige Zeit war er an einem Mädchen aus der Nachbarschaft interessiert, aber eine feste Freundschaft ist nicht bekannt. "Bei dem hat man nichts Schlimmes gemerkt", sagt ein Jugendlicher aus Tims Heimatort Leutenbach-Weiler zum Stein (Rems-Murr-Kreis). Tim sei zwar immer wieder von Gleichaltrigen geärgert worden, habe das aber runtergeschluckt.

Gewaltspiele auf dem Computer

Die Auswertung seines Computers, vor dem er oft stundenlang saß, ergab, dass sich Tim K. mit Gewaltspielen beschäftigt hat. Vor allem im den vergangenen Monaten verbrachte er viel Zeit mit Killerspielen am Computer. "Er wurde einfach von niemandem akzeptiert, saß den ganzen Tag eigentlich nur daheim vor dem Computer", sagt ein Bekannter. Auf dem Rechner wurden außerdem einige Pornobilder gefunden.

Streit um psychiatrische Behandlung Tims

Aus den Musterungsunterlagen von Tim K. geht hervor, dass er wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung war. Er habe fünf ambulante Behandlungen in der Klinik Weissenhof bei Weinsberg gehabt, erklärt der Ärztlicher Direktor des Klinikums, Matthias Michel. Danach sollte er weiterbehandelt werden, diese Behandlung setzte Tim K. aber nicht fort. Auch Polizei und Staatsanwaltschaft betonten, ihren Ermittlungen zufolge sei Tim K. zwischen April und September 2008 in einer psychiatrischen Spezialklinik "mehrmals vorstellig" gewesen.

Die Eltern von Tim K. bestreiten allerdings, dass ihr Sohn in psychotherapeutischer Behandlung gewesen sei. Der Anwalt stellte klar, ambulante Behandlungen seien etwas ganz anderes als eine Psychotherapie.

Tim ein "Waffennarr"

Mit seinem Vater, der Mitglied im Schützenverein Leutenbach ist, soll Tim K. ein Mal im Oktober 2008 auf der Pistolenschießbahn im Beisein des Vaters mit dessen Neun-Millimeter-Pistole geschossen haben, erklärte Detlef Lindacher, Vorstandsvorsitzender des Schützenvereins SSV Leutenbach, den "Stuttgarter Nachrichten". Freunde beschreiben den Jungen als Waffennarr. In seinem Zimmer wurden an den Wänden so genannte Softairwaffen gefunden. Seit etwa drei Jahren betrieb Tim K. Kraftsport, vor allem machte er Armmuskeltraining. Außerdem spielte er aktiv Tischtennis.

Mathearbeit am Tag vor der Tat geschrieben

Nach der Grundschule hatte Tim K. sechs Jahre lang die Albertville Realschule in Winnenden besucht. Dort machte er im vergangenen Sommer seinen Abschluss mit eher durchschnittlichen Noten. Nach den Sommerferien begann er ein zweijähriges Berufskolleg bei einer Privatschule in Waiblingen als Vorbereitung auf einen kaufmännischen Beruf. Auch hier zeigte er durchschnittliche Leistungen. Im Unterricht sei er ruhig gewesen, sagt eine Lehrerin. Doch wenn man ihn aufgerufen habe, seien seine Antworten kompetent gewesen. Am Kolleg hatte er noch am Tag vor der Tat eine Mathearbeit geschrieben und danach mit einigen Kumpels Karten gespielt. Nichts habe auf ein ungewöhnliche Verhalten hingedeutet. "Tim war wie immer", so eine Lehrerin.

Letzte Änderung am: 16.03.2009, 14.45 Uhr