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Filmrolle SWR Fernsehen | Service Mitschnittdienst

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Fernsehen im SWR

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Interview mit dem Moderator „Argumente zählen ...“

Thomas Leif vor dem Logo seiner Sendung

Sie sind einem breiteren Publikum als Autor von filmischen Dokumentationen und als Presenter in Reportagen bekannt. Nun moderieren Sie ab Januar einen Politiktalk. Was reizt Sie an der neuen Aufgabe?
Es ist sicherlich eine besondere Herausforderung, den Zuschauern anspruchsvolle und erhellende Interviews zu bieten, die erklären, aufklären und aufregen. Der Reiz liegt darin, sich dem Wettbewerb der Konkurrenz zu stellen und hoffentlich einen substanziellen Beitrag zu leisten, dass Politik im Dickicht der vorgestanzten Statements verständlicher und vielleicht auch interessanter wird.

Es gibt ja bereits einige politische Talkformate. Was wird bei Ihnen anders sein? Was wird die Sendung von den anderen Polittalks abheben?
Die Frage sollte man besser nach den ersten Sendungen beantworten. Denn zunächst müssen wir den Praxistest bestehen. Im Kern geht es uns um Konzentration und Klartext. Konzentration bedeutet: Wir diskutieren nur mit zwei Gästen die wichtigsten Konfliktlinien unseres Themas. Die Informationsziele für die Sendung sind eng gesteckt. Wir wollen die Hintergründe und Konfliktkulisse wichtiger Entscheidungen aufhellen, sodass die Zuschauer nach 30 Minuten einen Mehrwert an Wissen haben. Klartext heißt: Ich werde versuchen, unsere Gäste von ihren Sprechzetteln und eingeübten Formeln zu befreien. Sie sollen sagen, was sie wirklich denken und auf den Punkt kommen. Wir fragen weiter, auch wenn unsere Gäste schon in die nächste Themenschleife flüchten wollen. Das kann für die Zuschauer aus der Beobachter-Perspektive spannend sein, wenn wir uns in Stil und Intensität von anderen unterscheiden. In diesem Sinne wollen wir auch Anwalt eines interessierten Publikums sein, das sich authentische, klare Aussagen wünscht und keine unverbindlichen Wortkaskaden.

Was ist das Ziel Ihrer Sendung?
Im Zentrum der Sendung steht das wichtigste politische Thema der Woche, aufgearbeitet und erläutert aus der Perspektive von zwei kompetenten Protagonisten, die etwas zu sagen haben. Die Redaktion wird alles ins Werk setzen, um spannende, überraschende und unverbrauchte Gäste aus der ersten Reihe der Republik in die Kulturbrauerei in Berlin einzuladen. Politische Talkshows funktionieren dann, wenn das Timing des Themas stimmt, die Gäste sich wirklich auf eine inhaltliche Auseinandersetzung einlassen und keine wichtigen Fragen ausgeklammert werden. An diese simplen Regeln halten wir uns und wollen damit ein möglichst großes Publikum erreichen.

An wen richtet sich Ihr politischer Talk? Welche Art von Streitkultur erwartet die Zuschauer Ihrer Talksendung?
Streitkultur ist ein ziemlich abgegriffenes Wort. Ich bin schon froh, wenn die Gäste alle Fragen offen und ehrlich beantworten. „2+Leif“ spricht die Zuschauer an, die mehr wissen und mehr verstehen wollen, damit sie im Job, zu Hause oder im Freundeskreis besser mitreden können. Die Sendung wird im Idealfall überraschend kontrovers ausfallen und folgt der Devise „Argumente zählen“. Natürlich haben wir auch den Ehrgeiz, Nachrichten zu produzieren und neue Einsichten zu möglicherweise schon bekannten Themen zu vermitteln. Unterm Strich geht es um den Mehrwert für die Zuschauer: Wenn die nach 30 Minuten mehr vom Thema verstehen und sich ein vollständigeres Bild machen können, sind wir zufrieden.

Welchen Moderationsstil bevorzugen Sie?

Ich verstehe mich eher als Interviewer, der zusammen mit seinen Gästen dafür sorgt, dass die zentralen Informationsziele der Sendung für die Zuschauer auch wirklich beantwortet und geklärt werden. Man muss sich von der Illusion verabschieden, man könnte Profis im politischen Geschäft „knacken“ und aus ihnen etwas herausholen, was sie so nicht sagen wollten. Uns geht es um die Sache und nicht um die Show. Uns geht es um eine ernsthafte, aber auch heitere Atmosphäre, die die Gäste dazu animiert, aus ihrem Herzen keine Mördergrube zu machen.

Wo sehen Sie Ihre Schwächen?
Schwächen? Üblicherweise antwortet man auf diese Frage: „Ich bin zu ungeduldig.“ Aber ich verrate Ihnen die Wahrheit. Selbst wenn ich vor einer Sendung viel gelesen, Aktenberge durchgearbeitet und noch mehr telefoniert habe, habe ich immer noch das Gefühl: Es war nicht genug.

Wo sehen Sie Ihre Stärken?
Ich profitiere von 30 Jahren intensiver Erfahrung im politischen Journalismus, weiß wie Politik und Politiker funktionieren und kenne das handelnde Personal. Ich lasse mir kein X für ein U vormachen und bin immer noch neugierig auf die entscheidende Frage: What makes him (or her) move? – Was treibt die Menschen an?

Wie bereiten Sie sich auf die einzelne Sendung vor?
In einem amerikanischen Lehrbuch zur optimalen Vorbereitung auf Talkshows stehen am Anfang nur zwei Worte, die man verinnerlichen sollte: „Listening and preparing“. Also „Zuhören und Vorbereiten“. Das ist alles. Jede Talk-Show ist eine Teamleistung. Ohne eine professionelle Redaktion stehen Sie mit abgeschnittenen Hosen da. Wir investieren viel Zeit, um die richtigen Themen zur richtigen Zeit mit den optimalen Gästen zu platzieren. Aus dem Konvolut von Zeitungs- und Zeitschriftentexten und vielen anderen Quellen destillieren wir die wichtigsten Informationen und Konfliktlinien. Das Fragekonzept entsteht dann in der Redaktion in einem Prozess der stetigen Verfeinerung und Zuspitzung. Also – der Vorbereitungsprozess ist mit der Herstellung eines exzellenten Saucen-Fonds zu vergleichen. Um den optimalen Geschmack zu erzeugen, brauchen sie die besten Rohstoffe, die richtigen Gewürze und ein paar geheime Zutaten.

Letzte Änderung am: 19.12.2008, 19.01 Uhr

Sendezeit

Montags, 23.00 Uhr
im SWR Fernsehen

Wiederholungen:
Dienstags, 00:00 Uhr
in EinsExtra

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