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Große Lyrik aus Rheinhessen
Der Meister der Kunst um ihrer selbst willen
Der Dichter Stefan George, der seine Kindheit in Bingen verbrachte, wurde stark von der rheinhessischen Landschaft und ihren Menschen geprägt. Sein Leben lang pflegte er die heimische Mundart: Er „babbelte". Feiner sind dagegen seine Gedichte. Sie gehören ohne Frage zum Schönsten, was je in deutscher Sprache geschrieben wurde. Einerseits wird ihnen höchste Bewunderung zuteil. Andererseits aber stoßen sie auf krasse Ablehnung, begründet in Georges dämonischer, eigenbrötlerischer Persönlichkeit. Er sah sich als Seher, dem die Berufung zum Dichter und Propheten den Verzicht auf ein bürgerliches Dasein abverlangte. In seiner Lyrik huldigte er - abseits einer banalen Alltagswirklichkeit - dem Edlen und Schönen. Der erste Weltkrieg bedeutete einen wichtigen Einschnitt in sein dichterisches Schaffen. Während andere den Krieg bejubelten, prophezeite er Verderben und Untergang mit schrecklichen Leiden - er sollte recht behalten. Nach Kriegsende entwickelte sich der Kriegskritiker zum Propheten eines „Neuen Reichs des Geistes", mit einer feierlichen Art des Vortrags verfolgte er das Prinzip des l´art pour l´art: Kunst um ihrer selbst willen. Eine handverlesene Schar von Jüngern verehrte in als „Meister", als „Priesterkönig" und betete ihn förmlich an. Allen Marotten zum Trotz: Die Gedichte Georges sind Kunstwerke von großer Reinheit und seltenem Reiz.
| Lebenslauf | |
| 12. Juli 1868 | Stephan Anton George wird in Büdesheim bei Bingen als Sohn des Gastwirts und Weinhändlers Stephan George und seiner Ehefrau Eva, geb. Schmitt, geboren. |
| 1882 bis 1888 | George besucht das Ludwig-Georg-Gymnasium in Darmstadt bis zum Abitur. |
| 1888 bis 1895 | Er bereist, mit Unterbrechung Westeuropa (England, Schweiz, Italien, Frankreich, Spanien, Dänemark, Österreich, Holland) zu Sprachstudien und um Bekanntschaft mit Dichtern zu schließen. |
| 1889 bis 1891 | In Berlin hört er Vorlesungen in Philosophie, Kunstgeschichte, Romanistik, Germanistik und Anglistik. |
| bis 1933 | Wechselnde Wohnsitze, bevorzugt Berlin und München; Übersiedlung in die Schweiz (Minusio) |
| 4. Dezember 1933 | George stirbt in Muralto / Schweiz |
| 6. Dezember 1933 | Er wird in Minusio / Schweiz beigesetzt. Als Nachlassverwalter bestimmt er Robert Boehringer, den zeitweiligen Chef der Ingelheimer Firma C.H. Boehringer und Berthold Schenk Graf von Stauffenberg, den Bruder des Hitler-Attentäters, die beide auch dem George-Freundeskreis angehörten. |
| Meilensteine | |
| 1889 | Begegnung mit den Symbolisten Mallarmé und Verlaine in Paris |
| 1890 | Georges erster Gedichtband, „Hymnen", erscheint als Privatdruck in einhundert Exemplaren. |
| 1891 | Erste Begegnung mit dem jungen Hofmannsthal in Wien |
| 1892 bis 1919 | Mitherausgeber der „Blätter für die Kunst“; aus dieser Kooperative erwächst der George-Kreis |
| 1897 | Sein Gedichtzyklus „Das Jahr der Seele" verschafft ihm breite Anerkennung. |
| 1907 | Im Gedichtband „Der siebente Ring" formuliert er seinen prophetischen Auftrag. |
| 1927 | George wird der erste Goethepreisträger der Stadt Frankfurt; er akzeptiert, lehnt aber einen öffentlichen Festakt ab |
| 1927 bis 1934 | Eine achtzehnbändige Gesamtausgabe erscheint, der letzte Band posthum. |
Übrigens, wussten Sie schon...
dass...
zu seinem Künstlerkreis auch der spätere Hitlerattentäter Claus Graf von Stauffenberg gehörte? Seine Vorstellung vom „Heiligen Deutschland“ wird den Ideen Georges zugeschrieben.
dass...
George zu Unrecht Nähe zum Nationalsozialismus nachgesagt wird und die Nazis vergeblich versuchten Stefan George für ihre Ziele zu gewinnen?
dass...
jugendlich-männliche Schönheit auf George eine besondere Anziehungskraft ausübte?
In seinem Bewundererkreis gab es nur Männer. Allerdings ist auch eine zweijährige Schwärmerei für eine Frau überliefert.
Orte in Rheinland-Pfalz mit Bezug zu Stefan George
Links
Buchtipps:
Autor: Karlauf, Thomas
Titel: Stefan George
Verlag: Blessing
Erscheinungsdatum: 2007
ISBN: 978-3-89667-151-6
Preis: 29,95 €
_________
Autor: Schonauer, Franz
Titel: Stefan George
Verlag: Rowohlt Berlin
Erscheinungsdatum: 1960
ISBN: 978-3-499-50044-2
Preis: 6,90 €
Letzte Änderung am: 15.08.2007, 08.48 Uhr
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