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Virtueller Abgeordneter
Das Phantom des Bundestags
Es gibt ihn und irgendwie auch wieder nicht, den fiktiven Bundestags-Abgeordneten Jakob Maria Mierscheid. Stets präsent durch seine schriftlichen Veröffentlichungen, doch nie gesichtet. Was es definitiv gibt, ist eine Homepage von Mierscheid auf der offiziellen Seite des deutschen Bundestags. Immerhin. Und es gibt auch ein Foto, weltweit das einzige von ihm, mit hochgezwirbeltem Schnurrbart und – nachträglich hinzugefügter – Nickelbrille. Mierscheid, der aus dem kleinen Hunsrück-Dorf Morbach stammt, macht sich rar. Auch bei den Debatten im Bundestag. Dabei ist er dort seit 1979 für die SPD vertreten. Reingerückt über die Landesliste Rheinland-Pfalz, erfunden vermutlich von SPD-Kollegen. Im Bundestag und anderswo widmet er sich seither sozialen Brennpunkt-Themen wie etwa der Aufzucht und Pflege der geringelten Haubentaube. Jawohl, kein Scherz! Geschichte aber schrieb er mit seinem Mierscheid-Gesetz: Danach entspricht der Stimmanteil der SPD bei Bundestags-Wahlen stets der jeweiligen Rohstahlproduktion in Deutschland in Millionen. Klingt absurd, ist aber genial, denn mit seiner Prognose lag Mierscheid fast immer richtig. Aufregung verursachte im Sommer 2005 eine Meldung, Mierscheid sei zur Linkspartei übergetreten. Eine Ente, wie sich später herausstellte. Mierscheid selbst kommentierte das Gerücht lapidar mit „Dat is doch alles Kappes“. Recht hat er!
| Lebenslauf | |
| 1. März 1933 | Geboren in Morbach/Hunsrück |
| 1948 bis 1951 | Schneiderlehre in Simmern |
| 1956 | Meisterprüfung |
| seit 1954 | Mitglied der SPD |
| Meilensteine | |
| 1967 | Mierscheid stellt sein Buch „Das Kapital“ fertig. Es wird jedoch nicht gedruckt, nachdem bekannt wurde, dass „einer aus der Nachbarschaft, aus Trier, genau 100 Jahre vorher das Buch schon veröffentlicht hat“ (Karl Marx), schreibt Mierscheid zur Erklärung. |
| 1979 | Einzug in den Bundestag über die Landesliste Rheinland-Pfalz |
| 1980 | Mierscheid schlägt vor, den Bundesrechungshof aus Kostengründen von Frankfurt a. M. in die beschauliche Eifel zu verlegen, und zwar in den kleinen Ort "Filz" |
| 14. Juli 1983 | Artikel in „Vorwärts“: “Mierscheid-Gesetze“ für die SPD. Neue Forschungsergebnisse zur Wahlprognostik. |
| 16. Januar 1996 | Die offizielle Homepage des Bundestages geht ins Netz und Jakob Maria Mierscheid ist darauf mit einer eigenen Seite vertreten - quasi als Abgeordneter der ersten Stunde. Er ist Mitglied in diversen Organisationen wie der Gewerkschaft Landwirtschaft und Forsten, dem Kleintierzüchterverein Morbach, der Freiwilligen Feuerwehr Morbach oder der Turnfreunde |
| 2003 | „Die Reformlüge“, nicht gedrucktes Buch Mierscheids. Titelhypothese erwies sich laut Mierscheid als falsch |
Übrigens, wussten Sie schon...
dass...
... es in Berlin eine Brücke über die Spree gibt, die nach Mierscheid benannt ist, der so genannte Mierscheid-Steg?
dass...
Mierschied als “Unwort des Jahres“ Ulla Schmidt vorgeschlagen hat?
Dafür soll Mierscheid auch prompt einen Rüffel von SPD-Fraktionschef Müntefering erhalten haben.
dass...
Mierscheid im Internet seine „unangemeldeten Vorteile“ öffentlich gemacht hat und zwar unter anderem „alle vierzehn Tage zwei frische Hühnereier aus Freilandhaltung von einer Witwe aus der Nachbarschaft“ oder „einmal jährlich drei Gläser Weißwein (Riesling, Mosel) und zwei Würstchen (phosphatfrei) mit Kartoffelsalat bei der Prunksitzung des Karnevalsvereins“?
Orte in Rheinland-Pfalz mit Bezug zu Jakob Maria Mierscheid
Kandidaten mit Bezug zu Jakob Maria Mierscheid
Berühmte Persönlichkeiten mit Bezug zu Jakob Maria Mierscheid
Links
Buchtipp:
Autor: Sperling, Dietrich; Wollner, Friedhelm
Titel: Jakob Mierscheid. Aus dem Leben eines Abgeordneten. Eine politische Holografie.
Verlag: Nomos
Erscheinungsdatum: 1998
ISBN: 978-3789054846
Preis: 19,50 €
Letzte Änderung am: 14.08.2007, 08.54 Uhr
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