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Schöpfer des Dada
Vom Chaos zu christlichen Werten
Hugo Ball aus Pirmasens hat den Dadaismus erfunden. Oder auch nicht. Erfinden kann man den Dada sowieso nicht, denn dann könnte man ja auch beschreiben, wie er funktioniert, und ihn an Schulen lehren.
Jedenfalls hat Ball 1916 in Zürich mit Gleichgesinnten ein Experiment namens „Cabaret Voltaire“ begonnen.
Die damalige Sprache war von nationalistischen Floskeln durchsetzt und es wurde versucht, den Metzeleien des Ersten Weltkrieges einen tieferen Sinn zu geben. Dada setzte Absurdes dagegen. Das Ziel war, zu zerstören: Sprache wurde in ihre Elemente - also Laute - zerlegt und neu zusammengesetzt. Patriotische Gesänge beantworteten die Dadaisten mit getrommelten „Negerrhythmen" - für eine E-Gitarre wären diese Punks des Kaiserreichs sicher dankbar gewesen.
Dada wurde ein Welterfolg: Dada-Umtriebe wurden aus Berlin, New York und Paris gemeldet. „Erfinder“ Ball hat sich allerdings nach wenigen Monaten vom organisierten Dadaismus zurückgezogen; „man soll aus einer Laune nicht eine Kunstrichtung machen“, schrieb er.
Es folgte eine spitzzüngige Abrechnung mit der deutschen Intelligenz; des weiteren hat sich Ball intensiv mit dem byzantinischen Christentum beschäftigt.
Ein scheinbar zerrissener, „widersprüchlicher“ Mensch. Gleichermaßen Punk wie Mönch. Ein anarchistischer Katholik. Einen wie Hugo Ball gibt’s heute nicht mehr, und das ist ein sehr guter Grund, ihn zu lesen.
| Lebenslauf | |
| 22. Februar 1886 | Hugo Ball wird in Pirmasens geboren |
| 1906 bis 1910 | Studium in München und Heidelberg |
| 1910 bis 1911 | Schauspielschule des Deutschen Theaters Berlin |
| Mai 1915 | Emigration in die Schweiz |
| 21. Februar 1920 | Heirat mit Emmy Hennings |
| 14. September1927 | Hugo Ball stirbt in Sant’ Abbondio / Tessin an Magenkrebs |
| Meilensteine | |
| 1911 bis 1914 | Arbeit als Theaterdramaturg in Plauen und München |
| 1914 bis 1915 | Berlin. Ball arbeitet für eine Zeitschrift. Erste literarische Veranstaltungen. |
| Februar 1916 | Gründung des „Cabaret Voltaire“ in der Züricher Spiegelgasse |
| 1917 bis 1920 | Arbeit für die „Freie Zeitung“ in Bern |
| Mai 1917 | Zweiter und endgültiger Rückzug Balls aus der Züricher Dadaisten-Szene |
| 1919 | Erscheinungsjahr von Balls Polemik „Zur Kritik der deutschen Intelligenz“ |
| 1920 bis 1927 | Arbeit als Autor und Essayist |
| 1923 | Erscheinungsjahr von „Byzantinisches Christentum. Drei Heiligenleben“ |
Übrigens, wussten Sie schon...
dass...
Hugo Ball in der Zeitschrift „Der Pfälzerwald“ seine ersten, von der Landschaft des Wasgaus inspirierten Gedichte veröffentlichte?
dass...
... der elsässische Bildhauer Hans Arp, dessen Arbeiten in Remagen ein Museum gewidmet ist, zur Gründungsmannschaft von Hugo Balls „Cabaret Voltaire“ gehörte?
dass...
Balls erfolgreichste Publikation die Biographie über seinen Freund Hermann Hesse war?
Orte in Rheinland-Pfalz mit Bezug zu Hugo Ball
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Buchtipp:
Hugo Ball
Titel: Sämtliche Werke und Briefe
Verlag: Wallstein
Erscheinungsdatum: 2007
ISBN: 978-3-89244-775-7
Preis: 28 €
Letzte Änderung am: 14.08.2007, 08.52 Uhr
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