Seite vorlesen:
Philosoph mit dem Prinzip Hoffnung
Der Traum von einer besseren Welt
Er wurde 1885 in Ludwigshafen geboren und lebte 20 Jahre dort, in einer relativ jungen Stadt, in der die Chemie stimmte und sonst nichts. Die arme Arbeiterstadt Ludwigshafen und direkt daneben das reiche kurfürstliche Mannheim. Man sieht, meinte Ernst Bloch, „wo geschafft wird, und wo verzehrt“. Das war die Grunderfahrung des jungen Ernst Bloch. Ludwigshafen war Symbol der Welt von heute, Mannheim das Hindernis auf dem Weg zu einem besseren Jenseits, obwohl die Stadt durch Kultur und Theater die bessere Welt in Form von Kunst zeigte. Bloch wurde Marxist, forderte den Umsturz und erklärte den Willen dazu zum menschlichen „Prinzip Hoffnung“, die man zwar enttäuschen könne, aber nicht widerlegen, weil jeder enttäuschten Hoffnung eine neue folgt. Sein Leben passte dazu: Er ging in die Emigration, schrieb mitten im Zweiten Weltkrieg sein Hauptwerk „Das Prinzip Hoffnung“, kehrte zurück nach Leipzig, um als Philosoph beim Aufbau der DDR zu helfen, fiel dort in Ungnade, wurde zum Denker der 68er-Studentenbewegung und musste auch dort zusehen, wie seine Träume von einer besseren Welt geschreddert wurden. Trotzdem hielt er daran fest, dass der Traum von einer idealen Welt sein muss, um vom Jenseits aus das Diesseits zu kritisieren - und zu verbessern.
| Lebenslauf | |
| 8. Juli 1885 | Geboren in Ludwigshafen als Sohn assimilierter jüdischer Eltern |
| 1905 bis 1908 | Studium der Philosophie, Germanistik, Physik, Musik in München und Würzburg |
| 1917 bis 1919 | Exil in der Schweiz aus pazifistischer Überzeugung |
| 1933 | Flucht vor den Nazis in die Schweiz |
| 1934 | Österreich, später Paris und Prag; Heirat mit Karola Piotrkowska |
| 1938 | Emigration in die USA, dort bis 1949 Arbeit u. a. am "Prinzip Hoffnung" |
| 1961 | Während eines Aufenthalts in der BRD erfahren die Blochs vom Mauerbau und entschließen sich zum Umzug nach Tübingen, wo Bloch eine Gastprofessur erhält |
| 1967 | Bloch erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Er ist Leitfigur der Studentenbewegung |
| 4. August 1977 | in Tübingen gestorben |
| Meilensteine | |
| 1918 | Sein erstes philosophisches Hauptwerk erscheint. In "Geist der Utopie" philosophiert Bloch über eine humane Gesellschaft |
| 1919 bis 1933 | Berlin und München. Philosophische Arbeiten ("Thomas Münzer", "Spuren") |
| 1949 | Lehrstuhl für Philosophie in Leipzig |
| 1954 | "Prinzip Hoffnung" erscheint |
| 1957 | Zwangsemeritierung (eingeschränkter Ruhestand), Lehr- und Veröffentlichungsverbot |
| Ab 1966 | Bloch ist neben Adorno und Horkheimer eine der Leitfiguren der Studentenbewegung |
Übrigens, wussten Sie schon...
dass...
... der Professor, als Ernst Bloch 1905 sein Abiturzeugnis bekam, meinte: „Philosphie wollen Sie studieren? - Dafür sind sie viel zu dumm.“ - Da hat er sich wohl gründlich geirrt.
dass...
zu Ernst Blochs Lieblingsautoren Karl May und Coopers Lederstrumpf gehörten? „Auch was Knaben gern lesen, gerät ihnen gut“ meinte er.
dass...
Ernst Bloch neben Philosophie auch Physik studierte? Seine erste Veröffentlichung war ‚Über die Verhütung von Dampfkessel-Explosionen'.
Orte in Rheinland-Pfalz mit Bezug zu Ernst Bloch
Kandidaten mit Bezug zu Ernst Bloch
Links
Buchtipps zu Ernst Bloch:
Autor: Ernst Bloch
Titel: Das Prinzip der Hoffnung, 3Bde.
Verlag: Suhrkamp Verlag
Erscheinungsjahr: 2001
ISBN-13: 978-3-518-28154-3
Preis: 25,- €
__________
Autor: Ernst Bloch Zentrum Ludwigshafen
Titel: Bloch; Eine Bildmonographie
Verlag: Suhrkamp Verlag
Erscheinungsjahr: 2007
ISBN-13: 978-3-518-41888-8
Preis: 39,90 €
Letzte Änderung am: 14.08.2007, 08.37 Uhr
Der SWR ist Mitglied der ARD ![]()
Sitemap | Impressum | Datenschutz | © SWR